Druckschrift 
Theil 1, Bd. 1 (1830)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

Kapilel I. ß. 6.

23

und wie in jener Zeit die mit dem Ackerbau wohlbekannten Judengewiß gerechnet haben. Abraham also oder Isaak wolle ein StückLand verkaufen, das jährlich »20 Thaler trage, und verlange da-für 2000 Thaler. Das Anerbieten scheine annehmlich, und mannutze dabei sein Geld zu sechs vom Hundert. Allein, da ihmder Rückkauf nach dem Gesetze frei stehe, und diese Unsicherheitalle Einrichtungen auf nachtheilige Weise behindere, so müsseman deßhalb wenigstens eins vom Hundert zurückrechncn undkönne den Ertrag nur auf 100 Thaler anschlagen. Nun treteaber in zehn Jahren auch das Jubeljahr ein, wo das Grund-stück ohne Ersatz zurückzugeben sey, mithin kaufe man eigentlichnur zehn Erndtcn, jede 100 Thaler werth. Wenn man also demVerkäufer itzt 2000 Thaler auf einem Brette zahlte und innerhalbzehn Jahren in zehn kleinen Antheilen nur 1000 Thaler erhielte,so hätte man über hundert vom Hundert Schaden, mithin müsseman das Geschäft nicht wie einen Kauf, sondern wie eine Zeit-pacht, und noch obenein, der erlaubten Rücknahme halber, wieeine unsichere Zeitpacht betrachten, und danach sein Gebot einrich-ten. Und nun drängen sich dir Fragen auf: was für den Werthder Grundstücke, den Credit, den Ackerbau, die Anhänglichkeitan den Boden, was für die gleiche Vcrtheilung des Grund-vermögens gewonnen würde, wenn ein Gesetz alles Landeigen-thum allmählig in unbestimmte Zeitpacht verwandelte? Wasder Arme gewönne, wenn er nichts als das wohlbercchnete Zeit-pachtgeld erhielte? Was ihm die Erlaubniß zum Rückkauf helfensolle, die den Preis nur noch mehr Hinabdrücke, und statt ihmMittel zur Erholung und anderweiten Ansiedlung zu bieten, mitder ganz leeren Hoffnung tausche, das alte Gut wieder zu erwer-ben? Wie er endlich durch das Jubeljahr im Stande scyn solle,sich in dem zurückbekommencn Grundstücke zu erhalten, sobaldihm damit gar nichts geschenkt werde? So wenig als mit dembloßen Ablauf einer Pachtzeit, Pachter oder Verpächter arm oderreich werde, eben so wenig bewirke dieß an und für sieb das Ju-beljahr; sondern je nachdem der frühere Ertrag geringer odergrößer scyn dürste, gewinne bald der Eine bald der Andere beider Lösung jenes Verhältnisses.