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Dritter Band (1830) Die vierzehn Briefe des heiligen Apostels Paulus
Entstehung
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6 Einleitung. 2) Ueber den Zweck rc.

Apostels, welcher dein ersten Briefe cm die Korinthcr vorangings. I Kor. 5, 9., ist verloren gegangen; dagegen wird in der StcÜeCol. 4, 16. nicht bestimmt auf einen verlorenen Brief an die Laodi-cencr, sondern wahrscheinlich auf den Brief an die Ephesier hingewie-sen. Der angebliche dritte Brief an die Korinthcr, welcher sich nebsteinem vorhergehenden der Kvrinlhcr an Paulus in armenischer Spra-che erhallen hat, ist gewiß unecht, sowie auch verschiedene andre Schrif-ten , welche diesem Apostel beigelegt worden sind. Aber die Echtheitder Briefe, welche unser Kanon enthält, kann mit den vollgültigsteninneren und äußeren Gründen erwiesen werden und selbst der Dri fan die Hebräer läßt sich auch nach den in den neuesten Zeiten dagegenvorgebrachten Zweifeln als eine Schrift des Apostels Paulus ver-theidigen. Sie sind der treue Abdruck seines thätigen, ideenvollcn,allumfassenden erleuchteten Geistes, der immer das Ganze der göttli-chen Ockouomie umfaßt, die Tiefe des nnaussprechlicheu NathschlnsscsGottes zur Rettung, Veredlung und Bcscligung der ganze-. Mensch-heit durch den Wcltettöser stets vor Augeu hat und die Lehre Ebristimit einer eben so großen Gewandtheit behandelt wie seine nächsten Le-ser, die er nach Umständen unterrichten, ermähnen, bestrafen, tröstenund ermuntern mußte. Strenge und männlicher Ernst wechseln mitSnnftmnrh ab. mit dem Hanptvortrage sind oft Nebengedanken ver-bunden, mögliche und wirkliche Einwendungen beantwortet in einergewählten Sprache in Gegensätzen, Steigerungen, Fragen, Ausrufun-gen, Vcrgleichungen, so daß seine Leser durch gründliche Beweise über-zeugt werden mußten, ohne durch trockne Rachweisuugcn ermüdet zuwerden. Glühend vor Eifer und Liebe zu Gott und zu den Menschenschrieb er voll herzlicher Gefühle und himmlischer Wahrheiten und imEifer Andere damit zu erfüllen, seine Gedanken und Gefühle nieder,ohne auf die Stellung der Worte und ihre Verbindung zu achten.Daher kommen ungewöhnliche Wortverbindungen, Einschaltungen undZwischensätze, abgebrochene Perioden, große Kürze, unerwartete An-spielungen u. dcrgl in seinen Briefen sehr gewöhnlich vor. Wir ver-missen demnach in seinen Briefen zwar den oratorischen und rhetori-schen Charakter und Paulus versichert selbst von sich, daß er unkun-dig in der Rede sey, nicht aber in der Erkenntniß s. II Cor. 11, 6.,indeß erhebt unsre Briefe eben jene hohe Kraft des Geistes, die sichdarin kund giebt und die das Hauptcrforderuiß des Redners ist, znMeisterwerken der Beredsamkeit; daher auch ihr Verfasser schon voneinem alten Kunsirichter Longin mit Recht den größten Rednern bei-geordnet wird.

Zweites Haupt stück.

Ueber die Veranlassung, den Zweck, die Zeit und den Ort derAbfassung der vierzehn Wriefe des Apostels Paulus.

s 6.

Unter den Briefen des Apostels Paulus ist der erste an dieThessaloniker derjenige, welcher, wenn wir die chronologische Ord-nung berücksichtigen, in welcher er seine Briefe schrieb, die erste Stelle