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werden mit gleicher Innigkeit zu Gott beten, aber nicht ingleicher Empfindung. Alle werden einer Ewigkeit hoffnungsvollentgegenschauen, aber nicht einerlei Vorstellungen von derselbenhaben. Alle werden mit Ueberzeugung von den Wahrheiten derReligion Jesu deren Vorschriften vollziehen, aber nicht in einer,lei Art und Weise. Die Liebe kann das Gesetz Aller sein; aberanders liebt, auch in einem und demselben Lande, das Kind,anders der ernste Mann, anders der vielerfahrene, ruhige Greis.
Es ist kaum zu bezweifeln, daß daö Christenthum unter denentfernten heidnischen Nationen schon ungemein verbreiteter seinwürde, wenn die dahin gesandten Verkündet des Christenthumssich mehr an die herrscheydcn Gebräuche, Vorstellungsarten undan den Nationalkarakter der unwissenden Völker angeschlossenhätten. Dies versäumten sie. Denn sie wollten nicht nur dieLehre Jesu, sondern auch die Lehre ihrer Kirche daselbst ein-führen. Der Katholik wollte katholische, der Lutheranerlutherische Christen sehen. Aber weder der katholische noch derlutherische Kirchengebrauch paßten für das von unsern Gegen-den, von unserer Lebensart ganz verschiedene Wesen heidnischerHalbwilden. Man wollte ihnen zu viel geben, mehr, als siein ihr Wesen aufnehmen konnten. Man hätte sich in diesenaußerwesentlichen Stücken nach ihnen richten müssen. DieGrundwahrheiten des Christenthums werden überall, wo einvernünftiges Wesen athmet, leichten Eingang finden; nicht alsoGebräuche oder Meinungen, die wieder Geschöpfe frühererStreitigkeiten um Meinungen sind und ursprünglich andernHimmelsstrichen zugehören. Die unmittelbaren Schüler Jesutrugen anfangs sogar kein Bedenken, Juden wie Heiden alswahre Christen anzuerkennen, sobald sie nur die Hauptgrund,sätze des Christenthums annahmen, und ließen sie lange beiihren jüdischen und heidnischen Gebräuchen ungestört.
Auch, wie gesagt, die Verschiedenheit der Bildungsstufen,auf welchen die Völker stehen, wird, wie sonst und jetzt, nochkünftig das Entstehen und Vergehen besonderer christlicher Re,ligionsgesellschaften herbeiführen. Die religiösen Vorstellungeneines Kindes und eines Mannes, eines unwissenden rohen Men,Vtll. 24