äußert; wenn Uebelbelehrte, aus Abscheu vor der Heuchelei,stillen Ruchlosigkeit, vor dem Hochmuth, Gelddurst und derHerrschzier der Geistlichkeit, auch Verdacht gegen das fassen,was sie amts- und berufshalber lehren oder in den Kirchen ver-richten ; wenn Unglaube und Irreligiosität bei vielen Menschenfür wahre Aufklärung und Vorurthriliosigkeit gilt. Wie in denältern Zeiten, so ist auch in unsern Zeiten und in allen Ländernnichts so sehr Schuld an der Rohheit und dem Aberglauben,an der Schwärmerei, an dem Fanatismus, an der Sittenlosig-keit und dem Heidenthum, an der Religionsverachtung und demUnglauben, als die Verderbtheit, Schlaffheit, Unwissenheitund Leidenschaftlichkeit vieler Priester und Geistlichen. Nichtdie Liebe zu Gott und göttlichen Dingen, nicht die Sehnsucht,Seelen zu retten und zu Gott zu führen, nicht die edle Begierde,als Vorbilder anspruchloser Tugenden ihre Gemeinden zu allemGuten und Schönen zu begeistern: mit einem Wort, nicht dasHerz zieht sie in ihr apostolisches Amt, sondern meistens dieHoffnung bequemen Lebens, hinlänglichen Auskommens, fetterPfründen, der Anwartschaft auf höhere Ehren. Viele treibenihren Beruf mit heimlichem Widerwillen, ahnen dessen Umfangund Herrlichkeit nicht, und beneiden die Beschäftigung welt-licher Stände. Andere treiben ihn gleichgültig, Pflicht - undvorschriftmäßig, wie der Handwerksmann sein Handwerk; glau-ben damit genug gethan zu haben, wenn sie ihre sogenanntenAmtsgeschäfte regelmäßig abthun, und widmen sich Neben-beschäftigungen, die ihnen Lieblingssachen werden, oder mischensich in weltliche Händel, sorgen für die Kirche, aber nicht fürdas Christenthum, und trachten, sich ein kleines Reich in dieserWelt zu machen, aber nicht das Reich Gottes in ihren Ge-meinden durch Wort und That, öffentlich und heimlich, in denKirchen und in den Häusern zu befördern.
Wie eines Theils bei einer großen Zahl der Geistlichen soviel Unwürdigkeit und Kälte geblieben ist, andern Theils auchIrreligiosität und Unglauben neben der verachtungswürdigenBeschaffenheit vieler Geistlichen fortdauern muß, bleibt dasewige Streben der Menschheit nach dem Bessern rege, wie