536
53.
Zustand der christlichen Religion in unserer
Zeit.
Klagelied 3, 4o.
So dornenrcich, so engeDer Weg zum Himmel sei,
Verlassen von der MengeGeh du ihn, Gott getreu.
Und ringe nach dem Horte,
In jenen feigen Höh'n,
Und durch die enge PforteJn'S Leben oinzugeh'n.
Nur tu dem ChristusglaubenErblüht mein höchstes Gut:
Man kann mir Alles rauben, ,
Nicht meinen Christenmutb!
Im freudigen GefühleDer cw'gcn Seligkeit
'l Dring' ich hindurch zum Ziele,
Das Gottes Huld mir weiht.
Ä)enn ich Lauf und Schicksal des Christenthums übersehe, vonseinem ersten Ursprünge an in den Einsamkeiten Galiläa's bisheute, da sich das Bekenntniß desselben über alle Welttheile ver-breitet hat; von jenen Tagen an, da der Erlöser mit wenigenJüngern in demuthvoller Dunkelheit in den Umgebungen vonDavids Stadt wandelte, bis heute, wo Könige und Fürsten inzahllosen, ihm gewidmeten Tempeln ihn verehren; von jenenTagen an, da die Bckenner Jesu freudig für seine Wahrheit inden Tod gingen, bis heute, da Viele, die auf seinen Namengetauft sind, sich erleuchteter dünken, als der Gottoffenbarer —welche Verwandlungen! Wenn ich die ursprüngliche Hoheit undKlarheit der Lehre Jesu Christi betrachte, wie der Göttliche sieselber verkündigte; oder wie die Apostel sie verschiedenen Völ-kern , Heiden und Juden, nach deren verschiedenen Vorbeigriffen und Vorkenntnissen mittheilten, einfach und rein, dann,wie diese Lehre heutiges Tages von verschiedenen Kirchenpartcienmehr oder weniger mit menschlichen, gelehrten, eitel«, spitzfin-