Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
526
Einzelbild herunterladen
 

verstehen und für ihre Eingebungen empfänglich zu sein. DieseHalbgebildeten, um das Ansehen vorzüglicher De-kcr und feinerKopfe zu haben, trieben mit sogenannter Geistesfreiheir undFreidenker« großes Gepränge, fanden sich sehr geschmeichelt,Freigeister zu heißen, und bespöttelten ungläubig Alles, wasmit christlicher Religion in Verbindung stand, um ihrem NamenEhre zu machen.

Es fehlten zwar dagegen nicht fromme, gelehrte Männer,welche die Wahrheiten der christlichen Religion mit großemEifer und gelehrtem Aufwand in zahlreichen Schriften verthei-digten. Allein vielmals schadeten sie durch ihre Vertheidigungs-versuche des Christenthums der guten Sache weit mehr, als sieihr nützten. Denn häufig verwechselten sie das Christenthummit einzelnen Lehrmcinungen der Kirche, zu der sie gehörten:mit Lehrmcinungen, welche selbst nicht von allen christlichenKirchen geglaubt und angenommen war-en. Sie fanden alsovielen Widerspruch von Gläubigen sowohl als von Ungläu-bigen. Häufig waren ihre Schriften so dunkel, unwissenschaft-lich und schwerfällig abgefaßt, daß sie theils nicht allgemeinverstanden, theils nur von Wenigen gelesen wurden, amwenigsten aber von denjenigen, welche der bessern Ueberzeugungam meisten bedürftig waren. Auf diese Weise gelang es denLachern, einen großen Theil der Leute aus den Hähern undsogenannten gebildetern Ständen auf ihre Seite zu bringenund das Christenthum verächtlich zu machen. So ward zueiner gewissen Zeit Modeton, die Religion Jesu als eineFabel, Christum als einen klugen, wohldenkcndeu Votrstäu-scher, die Evangelien als verabredete Erdichtungen, die Andachtals eine Schwärmerei, die Anhänglichkeit an Religionsübun-gen als einen pöbelhaften Aberglauben, die Kirche als einebequeme Nahrungsanstalt geistlicher Müßiggänger zu be-trachten.

Der Sieg solcher Grundsätze, ob man gleich schon damalsseine kurze Dauer mit Gewißheit voraussehen konnte, wardweniger durch die ihnen zum Grund liegenden Wahrheitenbereitet, als durch die Eitelkeit und Leichtfertigkeit der Menschen,