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bringt den Sterblichen nicht der Wahnsinn seiner wilden Leiden-schaft ! Ein dreißigjähriger Krieg verwüstete unser Vaterland.Noch heutiges Tages spricht man mit Entsetzen von dessen un-menschlichen Gräueln. Um des Glaubens willen schlachtete mansich einander noch lange in den angrenzenden Ländern. Brüderstießen Brudern das Schwert ins Herz; Kinder verriethen ihreeigenen Aeltcrn; Väter lieferten ihre Söhne an die Henker aus.Alle Gefühle der Menschlichkeit schienen vertilgt, alle Bandeder Natur zerrissen zu sein. Man sah kein Ende der Un-darmhcrzigkeit und des Trübsals. Menschen wurden geboren,erwuchsen und starben, und hatten während ihres ganzen Lebenskein Friedensjahr gesehen, sondern nur Krieg, Kriegsgeschrei,Noth und Wehklage vernommen.
In allen Kriegen zeigt sich die grauscnvolle Entartung desmenschlichen Geschlechts, und wie es an Grausamkeit, Blut-durst und Bosheit die wilden Thiere der Wälder und Wüstenübertrifft. Doch Kriege, welche über religiöse oder bürgerlicheMeinungen geführt werden, sind von allen die schrcckenvollstenAnd hartnäckigsten. Denn in denselben ist jeder einzelne Streitervon seiner eigenen Sache entflammt; er führt den Krieg nichtfür einen Länderanspruch, oder einen Titel, oder für das Blut-geld seines Fürsten, sondern für sich und seine Meinung. Es istsein eigener Haß, der da wüthet.
Nachdem endlich die Noth überall aufs Höchste gestiegen,Land um Land durch Feuer und Schwert, Hunger und Pesti-lenz verwüstet, jede Kraft erschöpft war, bequemte man sichzum Frieden. Die erste Raserei war verflogen. Die meistenvon denen, welche die Gräuel begangen hatten, waren nichtmehr am Leben; Andere kamen nach, welche mit ganz andernWünschen und Absichten in die Fortsetzung der Kriege getretenwaren. Am Ende der Feindseligkeiten handelte man größten-teils um ganz andere Sachen, als diejenigen gewesen waren,welche den Krieg veranlaßt hatten. Es war nicht mehr darumzu thun, eine oder die andere Glaubenspartei von der Erde zuvertilgen, eine Kirche zur alleinherrschenden in der Welt zumachen; nein, es war meistens nur um Entschädigungsvergleiche,