465
46.
Die Trennung der christlichen Kirche.
Zweiter Theil.
Jvh. 13/ 35.
Verzweifelnd sieht der AberglaubeZurück zur Welt/ nach seinem Raube/
Die täglich mehr erleuchtet wird!
Wie strebt er wider Gottes Lehren/
Durch unsre Lust uns zu empören/
Weil/ wer gern sündigt/ gern auch irrt!
Wohl mir/ wenn mich kein Wahn verführet/
Nicht Leidenschaft mein Her; regieret;
Denn Wahn und Laster sind verwandt:
Wo Gott das Licht der Wahrheit schenketUnd Liebe unsre Thaten lenket/
Da irrt/ da strauchelt kein Verstand.
^n jenen Zeiten, da die allgemeine christliche Kirche in sichselbst über den wahren Geist und die Lauterkeit des Christen-thums uneins ward und zerfiel, entstand noch eine andere Vcr-Mirrung, auf welche anfänglich kaum geachtet worden war.Derjenige Theil der Christen nämlich, welcher sich aus Liebezur Wahrheit und ursprünglichen Beschaffenheit des von JesuChristo verkündeten Glaubens muthig und standhaft von derMuttcrkirche entfernt hatte, gerieth unter sich selbst in großeEntzweiung. Denn in den verschiedenen Ländern, bei verschie-denen Lehrern, hatten sich die Einen mehr, die Andern weniger,Don den angenommenen Lehrsätzen der katholischen Kirche entfernt.Es fehlte daher vollkommen an Uebereinstimmung unter ihnen;die Einen erschrackcn vor den Andern, weil sie gemeint hatten,bei ihrem gemeinschaftlichen Widerwillen gegen das von ihnen sogeheißene Papstthum in Allem einerlei Wege zu gehen.
Die Anhänger Luthers behielten in ihren Kirchen noch vielDon dem äußern Schmuck der Tempel bei; die AnhängerZwingli's und Calvm's aber verwarfen in ihrem Eifer allenZierrath. Noch mehr entzweiten sich beide Theile über den Sinnderjenigen Worte, deren sich Jesus Christus bei Einsetzung desAbendmahls bed-ienr hatte; so wie über die Meinung von der