schuldigem Gehorsam, und im Namen Gottes Aufruhr desVolks gegen die bestehende weltliche Obrigkeit predigen ließ. —Also blieb den weltlichen Obrigkeiten, welche in ihren Ländernvon der Macht und dem verderblichen Einflüsse des päpstlichenHofes frei werden wollten, nichts übrig, als sich gänzlich vomPapste und derjenigen Kircheneinrichtung zu trennen, welcher ervorstand.
Dieses beschleunigte und vergrößerte nun in damaligen Zeitendie allgemeine Trennung in der Christenheit, und befestigte sie aufimmerwährende Zeiten. Der Stolz und die anfängliche Sorg-losigkeit des römischen Hofes beförderte die Sache derer, welcheden ewigen B-ruch vollendeten. Alles, Alles, das Wichtigsteund das dem Anschein nach Unbedeutendste, mußte nun nachdem göttlichen Rathschlusse zusammentreffen, die gewaltigeScheidung der Gemüther, der Kirchen- und Glaubensparteicnzu erweitern. Hier war Gottes Finger! Menschen ver-mochten das nicht.
Gleich wie nun schon seit langer Zeit die gesammte Christen-heit des Morgen - und Abendlandes in zwei große Hälftenzerfallen war, in eine griechische und eine katholische Kirche,so zerspaltete nun wieder die abendländische Christenheit inmancherlei Abtheilungen und Glaubensarten. Und sie bestehennoch bis zum heutigen Tage. Wir sehen noch neben der römisch-katholischen Religion eine evangelisch-reformirte, eine evangelisch-lutherische, eine anglikanische Kirche und mehrere andere vongeringerer Ausdehnung.
Alle, welche sich zu diesen Kirchen bekennen, nennen sichChristen. Doch welcher von ihnen gebühret der Vorzug? Inwelcher herrscht die meiste Lauterkeit und Wahrheit? Inwelcher Christus? Fast gilt das wieder, was der göttlicheErlöser von den Zeiten sagte, die der Zerstörung Jerusalemsund der Zerstreuung des jüdischen Volks vorangingen; da eshieß: siebe, hier ist Christus, oder da ist Christus! Noch hörtman Verdammungs- und Verketzerungsurtheile wider einander;doch meistens nur von Leuten, die voll übertriebenen Eifersoft im Herzen nur voller Haß und Leidenschaften sind, keines-