Man hat gewiß sehr Unrecht, in neuern Zeiten die Klösterund ihren Zweck ohne Unterschied mit schnödem Urtheil zuverdammen, oder ihnen höchstens nur das Enzige zum Lobecinzugestehcn, daß sie durch Ausrottung großer Wälder, Ur-barmachung weitläufiger Wildnisse, durch Beispiel d.s bessernLandbaues nützlich gewesen wären. Nein, sie waren der Weltin viel erhabencrm Sinne ersprußlich. Nicht nur wurden inihren einsamen Zellen und Schulen die letzten Ueberbleibsel dervergessenen Wissenschaften sorgfältig in den ewigen Kriegsstürmenvor gänzlichem Untergänge bewahrt: sondern sie waren auchdurch ihr ganze- Wesen ein schneidendes Gegenbild von demsinnlich-thierischen Treiben der Weltleute. Sie zeigten denübrigen Menschen, die nur nach Raub und Reichthum, Machtund Ehre jagten, daß es noch etwas Besseres, als das Ver-gängliche, geben könne; sie erhielten in der Menschheit denGlauben an das Dasein und die göttlich-großen Bestimmungeneines unsterblichen Geistes, der eben durch Verachtung desIrdischen seiner selbst würdiger werden müsse. Geschah es auchwohl, daß zuweilen solche Weltverachtung, mit Schwärmereiergriffen, zu weit getrieben wurde: es war in Zeiten nichtunnütz, da von der andern Seite auch viele Menschen, ja diegroße Mehrheit derselben, in zügelloser sinnlicher Verwilderungnur für den Genuß des Augenblickes lebten, sich jedes Lastererlaubten, kein Gesetz, kein Recht, keine Unschuld ehrten, undim Grunde von der ganzen Religion nichts Anderes wußten, alsein Kreuz zu schlagen, einen Rosenkranz zu beten und vor demBilde eines Heiligen zu knien.
Die Bewohner dieser Klöster trugen dann auch nicht wenigdazu bei, daß die christlichen Halbheiven von Gott und der durchJesum geschehenen Offenbarung edlere Vorstellungen bekamen;daß sie auch nicht nur den Buchstaben des Glaubensbekenntnissesauswendig lernten, sondern auch von den heiligen Pflichten desChristenthums, von dem Leben des innern Menschen hörten.Und so wie die Klöster auf die Besserung des Gemüthes beiUnterthanen und Fürsten wirkten, gewissenlosen Richtern dieGerechtigkeit, grausamen Herren die Barmherzigkeit Jesu zur