rischen Wilden aus der Ferne heranzogen, und die Völker vonihnen leicht bezwungen wurden, die durch Wollüste körperlichentnervt und verweichlicht, durch Unwissenheit auch der geistigenKraft beraubt waren: ward allgemeine Barbarei und Finsternißdas Loos der Welt.
Die Zeiten wurden so kläglich, daß endlich selbst nur derkleinste Theil der Geistlichen zu schreiben, oder ein Lehrer desVolks zu lesen verstand. Es gab nur Wenige, welche die heiligenSchriften jemals zu Gesicht bekommen hatten, und noch Wenigere,welche dieselben eigenthümlich besaßen. Die Unwissenheit derMenschen mehrte sich, weil die, welche herrschten, das Kriegs-schwert zu führen für köstlicher hielten, als alle Weisheit. Eswaren keine Schulen. Nur bei den Klöstern errichtete man hinund wieder einige derselben, damit doch die Geistlichen wenigstensfähig würden, lesen zu können. Denn wie wollten sie, die dasWort Gottes nicht lasen, es auslegen und erklären?
Daher ist es allerdings keiner Verwunderung werth, wennman von den betrübten Wirkungen dieser allgemeinen Unwissenheithört, wie die christlichen Unterthanen, mit geringen Ausnahmendes vornehmem Theils und der Geistlichkeit, als leibeigene Knechteund Mägde behandelt, ohne wahres Eigenthum, oder obneSicherheit ihrer Ehre, ihres Lebens, gleich dem Vieh vertauscht,verschenkt, oder um baares Geld verkauft wurden ; wenn manhört, wie das gemeine Volk, gleich dem Vieh behandelt, dummund viehisch ward, und seine Vorgesetzten nicht wie Menschen,sondern wie von Natur höhere Wesen, wie eine Art Götterbetrachtete; wenn man hört, wie die Vornehmen, die Edelleute,die Fürsten nicht als Beschützer der Unterdrückten, sondern alskim'ne und große Räuber lebten, einander erschlugen, erwürgtenund vergifteten, geringer Ursachen willen; in Sauf und Fraßund Wollüsten ihre Tage verpraßten, und den Krieg als ih ehöchste und edelste Lebensbestimmung ansahen; wenn man hört,daß selbst die meisten Geistlichen in uns außer den Klöstern,neben ihren auswendiggelernten Gebeten und Gesängen undkirchlichen Gebräuchen, sich ohne Scham und Zucht dem Wohl-leben überließen; ohne Enthaltsamkeit, ohne Nüchternheit, ohne