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Nachdem Christus die Erde auf immer verlassen hatte, war sie,so geht die glaubwürdige Sage der ersten Kirche, vom JüngerJohannes mit sich nach Ephesus genommen worden. Er hattesie bis in ihr spätes Alter verpflegt, wie ihm Jesus vom Kreuzeherab empfohlen hatte. Sie war die Frau Josephs, des Zimmer-manns zu Nazareth. Ohne Zweifel starb sie früher als ihr Gatte.Keiner der ersten Jünger, keiner d.r Christen in den ersten Jahr-hunderten konnte ohne Rührung und Ehrfurcht an die Mutterdes göttlichen Wcltbeglückers denken. So preisen wir ja nochheute die Aeltern großer und verdienstvoller Söhne glücklich. Sowar es eine sehr natürliche Empfindung, als einst ein WeibJesum, den Messias, erblickte, und dabei an die Mutter dessel-ben dachte, das Glück derselben beneidenswürdig fand, und aus-rief, indem es sich zum Messias wendete: Selig ist der Leib, derDich getragen hat, und die Brüste, die Du gesogen hast! —Christus Jesus aber mochte nichts von diesen rein irdischen Glücks-prcisungen und Verehrungen wissen. „Ja," sprach er, ohne indes Weibes Gedanken einzustimmen, „.ja selig sind, die Gölte-Wort hören und bewahren!" (Luk. 11, 27. 2H.) Seligsind nicht die Menschen bloß irdischer Verhältnisse wegen, son-dern wenn sie die Gebote Gottes, wie sie dem Vollkommenenähnlich werden, lernen und üben im täglichen Leben.
Die in gemeine Sinnlichkeit nachmals immer mehr versin-kenden Christen betrachteten den Wink und ersten Willen desHeilandes weniger als die Worte des bewunderndenWeibes. Man erwies Marien beinahe ganz göttliche Ehren-bezeugungen ; betete nicht zu Gott in Christo Jesu so inbrünstig,als zu ihr, von deren Fürwort man sich mehr, als von derewigen Barmherzigkeit unsers Vaters, zu versprechen schien,zu welchem, und nicht zu Marien, uns Jesus Christus betengelehrt hatte. Man stellte in allen Kirchen ihre Gemälde undBildsäulen aus, schrieb denselben' häufig wahrhaft göttlicheKräfte zu, und fühlte sich zu ihr um so mehr hingezogen, dadie Kunst der Maler und Bildhauer in der Gestalt der Jung-frau alle sinnlichen Reize der Schönheit auszudrücken bemühtgewesen war.