findet. Als diese Kirchenparteien sich von einander schieden.Waren sie gegen einander in allzulebhafter Erbitterung, undgingen beide zu weit, wie es gewöhnlich geschieht, wenn manmit Leidenschaftlichkeit Behauptungen macht. In unsern Tagen,da man ruhiger urtheilt, gestehen die Weisem und Billigern jedesTheils, daß die Feierlichkeiten während der Gottesverehrung beiden Einen viel zu dürftig, bei den Andern zu überhäuft seien.Es ist auch gar wohl möglich, daß das Bedürfniß sinnlicherVerzierungen und Handlungen im Gottesdienste sich mit derZeit bei einem und demselben Volke ändern könne, wenn dasVolk aus dem bilderlicbenden Kindheitsalter immer mehr demErnst des Denkens entgegen»pächst.
Jesus Christus, indem er die Gemeinde seiner Jünger, diesenKeim der künftigen Kirche und weitverbreiteten Religionsgenossen-schast, bildete, führte zwar dabei schon ein gewisses Zeremonie!,-äußere Feierlichkeit ein, zur lebhaftem Darstellung und Versfinnlichung übersinnlicher Dinge. Er kannte der sinnlichen MenschenBedürfen. Doch weise vermied er das gefährliche Uebermaß.Wesentlicher, als alles Aeußere, war ihm das Innere, derGlaube und das heilige, nur Gutes wollende Gemüth seinerNachfolger. Sein Reich, welches er in der Welt gründen wollte,war ein unsichtbares, geistiges für Geister, die er mit dem höchstenaller Geister durch Tugend verknüpfen wollte. Er erklärte sichDarüber oft und laut, nie aber bestimmter als an jenem Tage,da er von den Pharisäern gefragt ward: Wann kommt dasReich Gottes? Er antwortete ihnen und sprach : Das ReichGottes kommt nicht mit äußerlichen Geberden.Man wird auch nicht sagen: siehe, hier ist esoder da ist es! denn sehet, das Reich Gottes istinwendig in euch. (Luk. 17, 20. 21.)
Zur Zeit des großen, allgemeinen Sieges der christlichenKirche, da sie nach langen Unterdrückungen endlich der Wuthheidnischer Gewalten entzogen, und in dreien Welttheilen zu-gleich herrschend ward, gedachte man kaum dieses wichtigenAusspruches. Man schien beinahe nicht genug thun zu können,-um den Triumph der Kirche glänzend zu machen, und freudig