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Art von Religiosität gänzlich vermeiden zu können, ist dazu dochwenig Hoffnung. Bloße Belehrung fruchtet nicht oder doch nurselten, weil man in der Belehrung zu einem Verstände spricht,-er von der Einbildungskraft und dem Gefühlevermögeu längstschon überwachsen ist. Hier kann man nur von der Zeit, vonder körperlichen Gesundheitspflege (deren Beschaffenheit auf diehöhere Sinnlichkeit so großen Einfluß hat!), und von der gött-lichen Leitung der Schicksale das Beste erwarten. Denn diejenigen,welche in religiöse Uebertreibungen und schwärmerische Einbil-dungen gerathen, fehlen weniger aus Irrthum des Verstandes,oder aus bösem Willen (vielmehr ist dieser gar oft sehr edel),als vielmehr aus einem falschen Verhältniß in der Entwickelungihres Gemüthsoermögens. Sie sind, ohne es zu wissen, ohnees glauben zu wollen, wirkliche Seelenkranke. Nur in früherJugend kann man solchem Uebel wirksam vorbeugen, sobald manNeigung dazu wahrnimmt, und daß diese überhand nehmen will.
Am gewaltigsten entfaltet sich die unbändige Kraft der Ge-fühle und der Fantasie im Alter der Jünglinge und Jungfrauen,auf dem Scheidewege des Kindes zum Manne. Hier ift's, woam ernstesten gegen die Überlegenheit solcher Kraft zur Rettungder Verstandesherrschaft gerungen werden muß Treten abernoch fehlgescklagene Wünsche, Unglücksfälle und Leiden allerArt hinzu, welche das lebendige Gemüth ohnehin fester an dasReligiöse ziehen : so kann der Hang zur Einsamkeit, zur Welt-entsagung, zu geheimnißvoller Vereinigung mit Gott, von Jahrzu Jahr durch tägliche Uebung bis zur Unzerstörbarkeit wachsen.Auch in spätern Lebensaltern kann körperliche Schwäche underhöhte Reizbarkeit bei unerwarteten Leiden gleiche Wirkunghervorbringen, wenn der Mensch nicht seiner Empfindung schonsehr Meister zu werden gewohnt ist..
In den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche sah mandie in Wüsteneien von aller Welt geschiedenen frommen Betermit Rührung und Ehrfurcht. Denn sie waren in heiliger Ueber-'zeugung, ohne alle irdischen Nebenabsichten, dahin gegangen,übermannt von der Lebhaftigkeit ihrer Gefühle. Auch mich rührtdas schwere Opfer, welches sie, in wahrhaft edler Meinung,
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