aber sehr natürlich, daß, bei dem immer größer» Anwuchs der ^Christengemeinden, auch die Zahl der Lehrer und Vorsteher,wie ehre Aemter, vermehrt werden mußten. Die Nettesten ord-neten sich Gehilfen, Unterhelfer, Vorleser und andere Beiständezu, in ihren Berufspflichten. Aus der Menge dieser Angestell-ten ergab sich wieder die Nützlichkeit einer Oberaufsicht überdieselben. Diese empfing Einer; und bald hatte solcher denNamen eines Bischofs, eines Aufsehers, ausschließlich.
Die Priester und Bischöfe in den Gemeinden, als Vorbilderfrommen Wandels, als Lehrer in gottesdienstlichen Zusammen-künften, als Lehrer der Gläubigen, als Beileger von Streitig-keiten unter denselben, hatten durch ihre eigenthümliche Stellunggroßen Einfluß, der sich nach und nach immer mehr erweiterte.Besonders geschah dies, als man ihnen hin und wieder Vollmachtertheilte, Fehlbare geradezu von der Gemeinschaft der Mau-Lensverwandten auszuschließen, oder sie auch nach geschehene»Prüfung ihrer Reue und Sinnesänderung wieder aufzuneh-men. Diese Bevollmächtigung wurde nachgeahmt, allgemeinereUebung; und die Uebung verwandelte sich am Ende in eingeistliches Recht.
So erwuchs aus den Bedürfnissen der einzelnen christlichen,wenig von den Heiden beachteten Gemeinden die Ordnung undEinrichtung der Kirchen, der Gottesverehrungen, der Aemter.Man darf ja wohl sagen Kirchen; denn bei den ersten Christenwar eigentlich keine Einheit und Gleichförmigkeit weder im Lehr-begriff noch in Gebräuchen, Festen und Urbungen. Jeder Theilhielt es, wie er es seinem Gewissen entsprechend fand. Unddes Apostels Vorschrift: Laßt Alles ehrbar und ordentlich zu-gehen! ward von jeder Gemeinde nach ihren eigenen Umständentreu befolgt. DaS nur forderten Alle, daß die Bischöfe undLehrer im Leben und Wandel Muster sein sollten für sämmt-liche Gläubige; nicht stolz und aufgeblasen ihres Amtes wegen,sondern vemuthvoll, Diener Aller, nüchtern, keusch, mäßig,sittlich, gastfrei und lehrhaftig. Man forderte, daß sie ihremHauswesen wohl Vorständen, gut erzogene Kinder hätten; denn,sagte der Apostel, so Jemand nicht weiß seinem eigenen Haust