nur in religiösen, sondern auch in bürgerlichen Fällen von jeherder Fall gewesen. Wie konnte es bei Vertheidigung der aller-heiligsten Angelegenheit der Menschheit gegen die Bosheit desAberglaubens, der Rohheit und der eigennützigen Staatskunstanders sein?
Die in Schwärmerei sich verwandelnde stille Begeisterungder verfolgten Christen machte nun erst daS Christenthum sieg-reich. Es war als das höchste Glück, als der schönste Ausgangdes Lebens geachtet, ein Blutzeuge der göttlichen Wahrheit zuwerden. Lange wurde das Andenken derer in Gebeten, Liedernund Schriften geehrt, welche dir Krone des Märtirerthumserrungen hatten; da hingegen diejenigen einer langen Verachtungpreisgegeben blieben, welche aus Furcht den Heiden nachgegeben,oder gar Jesum verläugnet hatten. Die Heiden sahen mit Ver-wunderung die Freudigkeit der Gläubigen in der Qualen - undTodesstunde; so konnte kein Heide für seinen Glauben sterben.Sie sahen, daß die unschuldigsten, die edelmüthigsten, die an-gesehensten und weisesten Personen hingerichtet wurden, ohneeines Verbrechens schuldig zu sein. Das rnußte Manchen zummitleidigen Ernst, Manchen zum Nachdenken, Manchen zumForschen bringen, was das Christenthum eigentlich sei. Aberschon dies Forschen war genug, den ganzen Sinn des Menschenzu ändern. Die Weisheit Jesu, die Wahrheit seiner Lehre, dieSchönheit der von ihm empfohlenen Tugenden, ergriff das Ge-müth des Fragenden. Er ward stolz und froh, ein Bekenner deslange verkannten Lichts der Welt zu werden.
Nachdem die Wuth der Juden einst auf Golgatha den gött-lichen Menschenfreund erwürgt hatte, standen zu Jerusalemüber hundert seiner Bekenner, entschlossen für den heiligenGlauben das Leben unter allen Schmerzen auszubluten, wieer. Nachdem hundert Christen ihrer Lehre willen gemordetwaren, predigten Tausende statt ihrer die Wahrheit. Als manTausende erschlagen hatte, zählte man der Gläubigen Millionen.
Es ist begreiflich, daß in Zeiten oder Gegenden, wie dieunserigen, da das Herzenschristenthum zum elenden Zungen-christenthum geworden, eine so hohe Begeisterung, wie die der