Herrlichkeit auch mich begeistert. Wird man einst über meinenerblaßten Leichnam auch sprechen: Fürwahr, dieser ist einfrommer Mensch gewesen?
Der Tod auf Golgatha war der glänzende Ausgang einesglänzenden Lebens. Was ist glänzender, als eine nie entweihteTugend? Es sind viele Menschen unter großen Qualen freudiggestorben. Seelenstärke vermag wunderbar viel über körper-liches Leiden; nur Weichlinge unterliegen diesem. Aber mitsolchem Gleichmuth, mit so hoher Würde starb kein Anderer,wie Christus. Entschlossen, ja mit erhabenem Entzücken, gingenAndere in den Tob für Wahrheit, Recht, Volksglück und Vater-land. Sie starben eines beneidenswürdigen Todes. Aber füreine so heilige Sache blutete kein Menschensohn sein Leben aus,wie Jesus. Er starb unserer Irrthümer und Sünden willen,von denen er uns befreien und aus deren Elend er uns zu Gottführen wollte. Er starb der himmlischen, ewig bleibenden Offen-barungen willen, die er dem menschlichen Geschlecht über dieallerhöchsten Angelegenheiten des Lebens brachte. Das bessereLeben gab er der Welt; sie gab ihm dafür den Tod. Er starbseiner Tugenden willen. Wer möchte sich nicht einen Todwünschen, wie der Tod dieses Gerechten auf Golgatha war?
Und wie wird einst mein Tod sein? wie meine Sterbe-stunde ?
Ich habe mir ja wohl oft schon einen fröhlichen Festtag vor-gestellt, den ich ungeduldig erwartete, und mich im Geist inseine Mitte versetzt, und voraus das Vergnügen genossen, daSich empfinden würde. Ich pflege auch lange voraus schon andiese oder jene mir bevorstehende wichtige Handlung zu denken,und wie ich mich dabei betragen werde, oder wie Andere dabeisein werden. Warum sollte ich mir nicht auch einen meinerallerwichtigsien Augenblicke, meinen letzten, vorstellen? Esschlägt manche Hoffnung und Furcht fehl; aber die Todes-stunde erscheint mir gewiß. Ich bereite mich auf manche Klei-nigkeiten vor: warum nicht auf diese feierliche Zeit?
Freilich weiß ich nicht, wann sie kommt; aber sie kommt!Es ist möglich, daß ich noch Jahrzehnde lebe; es ist auch möglich,