Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
109
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Und Liebe forderte er von Allen wieder, die ihn umgaben.Liebe, Freundschaft und gegenseitige Gefälligkeit unterhielt erbeständig unter den Seinigen. Er selbst, der Meister, wuschseinen Schülern einst, nach morgenländischer Sitte, die Füße,so sehr sie sich auch weigerten, diesen Dienst von ihm anzu-nehmen. Er that es aber, nicht einer eiteln Feierlichkeit wegen,nicht um etwa Beweise seiner Dcmüthigkeit abzulegen, die erschon herrlicher dargethan hatte, sondern um sie damit zuermuntern, eine beständige Gleichheit unter sich zu bewahren,und Einer dem Andern dienstfertig zu bleiben.Ihr heißet michHerr und Meister, und saget recht daran," sprach er zu ihnen:denn ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meister,euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Und ich sage euch nun, ein neuGebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet, wie icheuch geliebet habe, auf daß ihr euch einander lieb habet. Dabeiwird Jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihrLiebe unter einander habet." (Joh. 13, 13. 14. 34. 35.)

Wie ehrwürdig erscheint mir Jesus überall, wie ganz eigen-thümlich in seiner schönen, selbstständigen Denkart, die ihn soscharf auszeichnet! Warum könnte denn auch ich nicht inmeinen häuslichen Verhältnissen so einfach und edel handeln,wie er? Ich habe keine so hohen Bestimmungen, ich habe nichtUrsache, Hab und Gut und Alles zu verlassen, wie er, feinemhimmlischen Berufe gemäß. Aber auch ich habe die kleinenTagesvorfälle, die Menschen mit ihren gemischten Gemüthsartenum mich her, wie er; ich habe die Anlässe zum Wohlthun, wieer, habe Freunde und Geliebte, wie er die Welt ist nochdieselbe, wie er sie sah was hindert mich, Dein ergebenesKind, o Gott, mein Vater, zu sein, wie er es war? Ach,Drin heiliger Geist, der ihn erfüllte, begeistere auch mich, undstärke mich zu allem Heiligen und Guten. Amen.