Und dieser unendliche, das Unendliche beherrschende Geistist die ewige Liebe. Sein Gebot ist die Seligkeit alles vonihm Erschaffenen. Er wachet über die Gesammtheit der sichtbarenund unsichtbaren Naturen. Vor ihm schweben in den grenzen-losen Himmclsräumen die Welten, deren Mannigfaltigkeit undWunderbarkeiten kein Sterblicher zählt, noch ahnet; und keinSperling fällt vom Dache ohne seinen Willen. Alle Haare unsersHauptes sind gezählt. Das Größte, das Kleinste, das Höchste,das Niedrigste, das Wichtigste, das Geringste, Alles liegt um-fangen von seiner ewigen Liebe.
Und wie er der Erhabenste ist von dem, was ist: so ist er auchAllem das Nächste, daS Verwandteste! Denn es ist nichts,was nicht aus ihm wäre. So ist er also aller Dinge Vater.Er ist der majestätische Herr der Welt, sie sein Eigenthum undWerk; er ist der Vater der Geister, aller Menschen Vater. Erhat keine auserwählte Lieblingswelt, kein auserwähltes Lieblings-volk. Er ist der Gott aller Welten, der Vater aller Völker. Denner hat sie alle erschaffen, und besitzt nicht die thörichte oderungerechte Schwäche von Menschen, die Vorliebe und Vorhaß,Schooekmder und Stiefkinder haben können.
Er ist Vater! — Die Geister sollen zum allerhöchsten Geist,wie Kinder zum Vater, beten. In diesem natürlichen, einzigmöglichen, folglich allein wahren Verhältnisse dachten sich vorChristi Geburt auch die Weisesten der Menschen nicht die Gott-heit, so erhaben auch die Vorstellungen Einzelner von derselbensein mochten. Sie konnten mit Schaudern und Ehrfurcht anden Majestätischen denken, mit Zittern zu ihm beten. Aber wirhaben durch Christum einen kindlichen Geist empfangen, durchwelchen wir zu dem allmächtigen Gebieter der Himmel und Erderufen können: Abba, lieber Vater!
Als Vater hat sich Gott selbst in der Natur dem Geschlechtder Menschen geoffenbart, und doch verstanden sie ihn nicht.Sie verehrten mit Beben den Welrschöpfer. Sie gedachten seinerewigen Liebe nicht. Sie dachten sich Gott viel zu menschlich undirdisch, wie einen König etwa, der nach seinen Launen schafft und