Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

83

muß nothwendig mit der Zeit zerfallen, je Heller der Verstandder Menschen wird. Und in der That sind jetzt schon viel- auf-geklärte, weise Juden von innen wahrhaft Christen, ob ste gleichnoch die äußern Gebräuche ihrer alten Religionsgenossen mit-machen. Sie haben die Lehre Jesu angenommen im Herzen,wiewohl ste nicht den besondern kirchlichen Gebräuchen undLehrsätzen der Protestanten oder Griechen oder Katholiken bei-stimmen mögen.

So wie eine höhere Ausbildung des menschlichen Geistes dieGlieder aller Rcligionsparteien endlich immer näher zum wahrenGlauben zusammenführt, und um Jesum versammelt: so ist eSnur die Unwissenheit und Barbarei, welche dieMenschen in religiösen Dingen von einanderentrsernt, verschiedene Meinungen und Kirchmparteien hervor-bringt. In den rohestcn und wildesten Zeitaltern sind überDas Religiöse die zahlreichsten Spaltungen entstanden. Sie sindnicht zu vermeiden, so wenig als eine Verschiedenheit der Auf-klärung und Bildung bei den Nationen zu vermeiden ist. Man-nigfaltigkeit der christlichen Gebräuche und Gottesverehrungs-arten ist nicht zu vermeiden, so wenig eine Verschiedenheit derHimmelsstriche oder Verschiedenheit in den Gemüthsarten derVölker zu vermeiden ist. Nicht im Irdischen kann Dauer undEinklang sein; aber im Göttlichen ist Einklang des Ganzen. Eswird eine Zeit kommen, da die Rcligionsparteien von selbst aus-fterben, und Alles sich in Einem auflöset und vereinigt, ineinem Glauben, in einer Lehre, und das ist Glauben undLehre Jesu Christi. Das ist die Zeit, die geweissagt, aber nochfern ist, wo Alles einHirt und eineHeerde werden wird!Denn Himmel und Erde werden vergehen, aber das Wort des.Hochgelebten ward und kann nie vergehen.

So will ich denn auch hier nicht fragen: was lehrt dieseoder jene Kirche? sondern ich will fragen: was lehrte Jesus?Was die Kirche lehrt, ist vielleicht den Zeitaltern und Zuständeneinzelner Nationen angemessen. Aber was Jesus lehrte, waswahrhaft göttlich ist, das muß allen Zeitaltern, allen Zu-standen, allenNationen angemessen sein, so wahr Gott ewigund unveränderlich und der Vater und Herr aller Nationen ö'