Oder meinet ihr, es sei unwürdig, von Jesu zu glauben, daßrr den Sprachgebrauch derer annahm, zu denen er sprach ? Glaubet
jhr, er sei deswegen ein Täuscher des Volks gewesen?-Wir
wissen in unsern Zeiten sehr wohl, daß die Erde sich um diefeststehende Sonne bewege, und doch ist es üblich zu sagen, dieSonne geht am Himmel auf und nieder. Ist derjenige einLauscher des Volks, welcher die Sprache des Landes redet?Nein, eben dadurch ward der Welterlöser wirksam und mächtig,Daß er von dem Göttlichsten und Höchsten in der kindlichenVorstellungsart und in der beschränkten Sprache des Volks zureden wußte.
Immer machte er seinen Vortrag den Zeiten, den Gelegen,heilen, den Zuhörern angemessen. Vom Geringen schwang ersich zu dem Erhabensten auf; vom Irdischen zum Himmlischen;vom Körperlichen zum Geistigen. Wie überraschend und schönbewies er dies, als er einst, müde von der Reise, sich an denBrunnen setzte, nahe bei Sichar, dem Dörflein, welches Jakobvor Zeiten seinem Sohne Joseph gegeben! Dies lag jetzt imsamaritischen Gebiete. Ein Weib kam zum Brunnen, Wasserzu schöpfen. Erbat um einenTrunk. Die Samariterin, welchewohl wußte, wie jeder Jude sich verunreinigt wähnte, von einemSamariter etwas anzunehmen, verwunderte sich, daß er alsJude von einem samaritischen Weibe zu trinken begehre. Indiesem Gespräche sagte er: Wüßtest du, wer den Trunk von dirbegehrte, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.Sie verstand ihn nicht. Wer das Wasser, fuhr er fort, ausdiesem Brunnen trinkt, den wird wieder dürsten. Wer aberdas Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglichnicht dürsten. Und so spann er vermittelst dieses Bildes eineUnterhaltung von heiligern Dingen an. Sie erkannte in ihmein höheres Wesen. Er sagte ihr das Geheimste ihres eigenenLebens. Sie verehrte ihn als einen Propheten, sie sprachvon der Trennung der Juden, die Gott im Tempel zu Je,vusalcm, und der Samariter, die ihn auf dem Berge Ga,rizim verehren. Weib, glaube mir, erwiederte Christus, eskommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen An,