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Jammer gestürzt! Warum pranget ihr mit Lobreden auf euch,und geltet nicht die Hälfte dessen, was ihr zu sein vorgebet?Warum unterdrücket ihr euere Unterthanen, störet ihre Freiheitdes Geistes, raubet ihnen für euer Wohlleben in unmäßigenSteuern die Frucht ihrer sauern Arbeit? Warum lasset ihr denVerdienstreichen Mann in der Dunkelheit, und erhebet denGünstling? — wahrlich, so heilig dieser Lehrer leben, so wahrer reden möchte: wer bürgt dafür, daß seine Freimüthigkeit undWahrheit ihn nicht in den Kerker führen würde?
Und wenn er hinträte zu Bischöfen und Erzbischöfen, Prie-stern , Pfarrern und Gottesgelehrten der verschiedenen Kirchenunserer Tage, und spräche: Euere Wege sind nicht GottesWege, euer Sinn und Leben ist nicht Christi Sinn und Leben.Ihr heuchlerischen Verkündet des Heilandes seid nicht Nachfolgerdes Heilandes! Ueberall in euer» Kirchen heißt es: Hier istChristus! Nur unsere Kirche macht selig, und unsere Lehre istwahr! Überkäme Christus vomHimmel, er würde in euermMundeund in euer« Tempeln seine eigene Lehre nicht wieder erkennen!Wo ist die Weltverläugnung, ihr Prasser? Wo die Liebe derMenschheit, ihr Verfolger andersdenkender Mitchristen? Wo dieDemuth vor Gott und Menschen, ihr stolzen Pharisäer? — —wahrlich, so heilig, so unschuldig das Leben des Gerechten wäre,der also redete: er würde als Feind des Heiligthums geächtetwerden, ungeachtet er nur Feind der Laster wäre, von welchendas Heiligthum entweiht wird.
Sind dies aber nicht die herrschenden Gebrechen unsers Zeit-alters? Ist die Wahrheit frei? Heiliget nicht Gold und Rangmanches offenbare Verbrechen, Ansehen der Person manchenoffenbaren Betrug? Gilt Tugend so viel als Reichthum? GiltEinfachheit und Unschuld so viel als Lust und Weltton? Soll ichnoch von den vorgefaßten Meinungen der Kirchenparteien undihrem gegenseitigen Hasse, soll ich noch von den Vorurtheilender Menschen reden, die heutiges Tages neben aller Ungebunden-heit der Sitten im Schwange gehen? Sehet umher, das Gemäldeunsers Zeitalters ist noch nicht vollendet! Sehet umher auf dieThränen, aufdie Blutströme leidender Völker; auf die bestochenen