Druckschrift 
3 (1830) D bis E
Entstehung
Seite
414
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4L4 Dyk

aneignete. Er besuchte Florenz, Turin und Sicilien, wo er viel arbeitete. DiePest verjagte ihn aber bald aus Sicilien, und er beendete in Genua das berühmteAltarblatt für Palermo. Nachdem so sein Ruf durch ganz Italien verbreitet war,kehrte er wieder in sein Vaterland zurück. Hier führte er viele große historische Ge-mälde und Altarblatter aus. Von letztem sind besonders der heil. Augustin in Ant-werpen und die Kreuzigung in Courtray berühmt. Man erzählt, daß Rubens ihms. älteste Tochter zur Gattin angeboten habe, daß aber van D. sie ausschlug, weilseine frühere Liebe für ihre Mutter (Rubens zweite Gemahlin, Helena) noch nichtganz erloschen war. Um s. Neidern zu entgehen, folgte er den Einladungen desPrinzen von Oranien, Friedrichs von Nassau, an s. Hof nach Haag zu kommen.Er malte diesen Fürsten, s. Gemahlin und Kinder, und diese Bildnisse wurden sobewundert, daß fast alle Fürsten und Reichen von ihm gemalt sein wollten. Erreiste nach London und Paris, kehrte aber bald nach Antwerpen zurück. Ein Cru-cifix und eine Geburt Christi, die er für Dendcrmvnde malte, gehören zu s. schönstenWerken. Van Dyk's Ruhm wuchs so sehr, daß man in England bereute, ihnnicht mit mehr Achtung aufgenommen zu haben.- König Karl 1 ließ ihn einladen;doch er würde nie dahin zurückgekehrt sein, wenn nicht sein Freund, der RitterDigbp, ihn dazu überredet hätte. Dieser stellte ihn bei s. Ankunft dem König vor,der ihm eine goldene Kette nebst s. reich mit Diamanten eingefaßten Bild umhing,ihm den Bathorden, ein ansehnliches Jahrgehalt, eine Sommer - und eine Winter-wohnung ertheilte. Van Dyk vergalt diese Großmuth durch rastlosen Fleiß; er be-reicherte England mit s. Meisterwerken und führte außer einer Menge Portraitsviele mythologische und historische Gemälde aus. Seine Prachtlicbe zeigte sich indem überaus glänzenden Hause, welches er machte; s. Feste, an denen Fürsten undDamen des ersten Ranges Theil nahmen, übertrafen alle andre an Glanz undSinnigkeit, die ersten Tonkünstler und Mimen wetteiferten, sie durch ihre Talentezu verschönern. Er hielt sich überdies einen Harem von schönen Mädchen, die erbei seinen historischen Gemälden benutzte. So verschwendete er sein Vermögen, s.Kräfte und s. Gesundheit; doch würde sein reicher Kunsterwerb ihm das erstere er-setzt haben, wenn er sich nicht in das Studium der Alchymie vertieft hätte. DerHerzog von Buckingham suchte ihn auf andre Wege zu bringen und ihm neuen Le-bensmuth zu geben, indem er ihn mit der wunderschönen Maria Ruthven, Tochterdes schottischen Grafen von Goree, vermählte. Van Dyk besuchte mit ihr s. Va-terstadt und ging von da nach Paris, wo er wünschte, die Galerie des Louvre zu ma-len. Da aber Poussin diesen Auftrag schon hatte, kehrte er sofort nach Englandzurück. Bereits krank und erschöpft schlug er dem König den Plan zu einer Tape-tenmalerei vor, wo die merkwürdigsten englischen Feste und Prachtauszüge abgebil-det werden sollten, und erbot sich, die Cartons dazu zu erfinden. Doch ehe dies aus-geführt werden konnte, übereilte ihn im 42. Lebensjahre 1641 der Tod. Er wurdefeierlich in der St.-Paulskirche begraben; der englische Dichter Cowley verfaßte s.Grabschrift. Die vorzüglichsten Galerien besitzen Gemälde von ihm; seine Por-traits zeichnen sich durch ungemeine Wahrheit und Natur, leichte treffliche Behand-lung und Farbengebung aus; Alles ist mit breitem Pinsel gleichsam nur hingeschrie-ben, flüchtig und kühn, und doch sind die Dintcn herrlich und weich verschmolzen;s. halben Töne scheinen in der Nähe ins Graue zu spielen, doch find sie, in gehöri-ger Entfernung betrachtet, vvm wärmsten Lebensodem durchhaucht, Alles ist klar,Nichts weder bunt noch kalt, Alles ruhig, ungesucht; die Stellungen sind der Na-tur abgelauscht, stets der Individualität eines Jeden am angemessensten. Niewählt er vorübergehende leidenschaftliche Momente, still und unvcrdrcht steht jedess. Portraits vor uns und läßt uns klar m die Tiefe s. Wesens schauen. Meister-haft leicht wußte er die Haare zu behandeln; er liebte schwarze Kleidung und ei»-ache, grünlichgraue Hintergründe; die Stoffe der Kleidungen wußte er täuschend