27. April, Mittwoch, Morgens um 4 Uhr, landete dasSchiff abermals an der Insel Korfn. Um 6'/z Uhr fuhr Herr-Pastor Lamberts, der heute seinen 53. Geburtstag feierte, HcrrHcrmcns, der SchiffSarzt und ich mit einer Barke an's Landund begaben uns gleich in die Kirche. Hier feierten die Katho-liken mit Bewilligung des h. VatcrS mit den Griechen Ehar-mittwoch, da letztere den folgenden Sonntag ihr Osterfest feier-ten. Herr Pastor Lamberts las an einem Scitenaltar die h.Messe, die Herr Hcrmens und ich diente. In der Scitenkapcllceelcbrirte der hochw. Bischof von Korfu die h. Messe, wobeieine Trauung stattfand. Die Kirche war mit Andächtigen ge-füllt. Dann besahen wir uns nochmals die Stadt, begabenuns auf einen großen freien Platz, wo englisches Militär cxcr-eirte. Mitte August werden die Engländer abziehen und auchdiese Insel an Griechenland abtreten. Während wir diesenUebungen zusahen, besorgte der Schiffsarzt einen bequemen,
offenen Magen und wir fuhren nun nach den höchsten Punkten,
namentlich nach der sogenannten Kanone, von wo anS man die
schönsten Aussichten hat. Der Fahrweg führte durch Gärten,
die mit immerblühendcn Rosenhecken eingefriedigt waren. Ci-tronen und Apfelsinenbäume blühten und trugen zugleich reifeFrüchte, die lieblichen Geruch verbreiteten. Der Weg führte! nnS auch an der Billa vorbei, welche die Kaiserin von Frank-reich, da die hohe Dame leidend war, im vorigen Sommer bc-
! wohnt hat. Der Eintritt war leider nicht gestattet. Es be-
gegneten uns namentlich viele Engländer, die aus Gesundheits-rücksichten das milde Klima Korfn's aufgesucht hatten. Obenauf der Kanone (so heißt dieser Berg) angekommen, lag vor! uns das Meer mit allen seinen Inseln und Schiffen, die StadtKorfn und in ihrer Umgebung in schön angelegten Gärten herr-liche Villen, zur Seite in einem Thale war ein lieblicher See> mit zwei Inseln, wo sich auf der einen Insel ein griechischesMönchskloster und auf der andern ein griechisches Nonnenklostcrmit ihren Kirchthnrmcn als einziges Gebäude erhoben. Wir