Druckschrift 
Blätter aus dem Tagebuch eines Pilgers nach Jerusalem im Jahre 1864
Entstehung
Seite
92
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bin ün h. hcllerlcuchtctcn Grabe. Hier auf diesem

Steine lag der hl. Leichnam und ruhte aus von all' seinen >namenlosen beiden und bittersten Schmerzen, welche die Sündender Menschen Ihm bereitet. Hier ruhte mein Gott! Hierruhte der Gerechte im Todesschlafe, auf daß der Sünder er-wache und ewig lebe. Welch' ein Augenblick! WaS meine

arme Seele empfunden, vermag ich nicht in Worte zu kleiden.

Ich betete .

Am Grabe des Erlösers lernt das arme Menschcnhcrz beten_

und.sich selbst erkennen. Uni 1'/^ llhr Nachts kam

ein griechischer Pope und ersuchte mich, das h. Grab zu ver-lassen, weil die Griechen ihren Gottesdienst beginnen wollten.

Ich suchte in der Kirche meinen treuen Freund, den HerrnPastor Palm, auf, fand ihn am Muttergottcs-Altar und kehr-ten wir nun in unsere Zellen zurück. Nach beendigtem Gottes-dienste der Griechen las Herr Pfarrer Palm um 5 Uhr Mor-gens über dem Grabe unsers Herrn und Erlösers die h. Messe,in welcher zu dienen Herr Hcrmens und ich das große Glückund die hohe Ehre hatten. Der Stein, worauf der h. Leich-nam des Herrn gelegen, bildete den Altar. O! cS ist dies wohlder erhabenste, würdigste und heiligste Opfcrtisch der ganzen

Welt!. Mit dem Priester empfingen auch wir die

h. Eommnnion.

Diese Stunde halte ich für die glücklichste, die ich erlebt,und die Eindrücke, die ich hier empfangen, werden mich beglei-ten alle Tage meines Lebens und sollen durch Nichts abge-schwächt oder gar verwischt werden. Gesegnet! tausendfach ge-segnet sei diese Stunde im Grabe des Herrn! Dank, ewigerDank Dir crbarmnngs- und liebevoller Gott, daß Du mir dieGnade geschenkt, am Grabe unseres Erlösers das immerwäh-rende Opfer des neuen Bundes mitfeiern zu können!.

Die Türken hatten heute, ich weiß nicht aus welcher Ur-sache, die Grabeskirche sehr früh geöffnet, und es waren meh-

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