Aus dem Zittern, wen» mein schwach wird, sollte man fastglauben, die Wirkung unsers Willens auf unsern Körper ge-schahe stoßweise, und die Stetigkeit in den Bewegungen verhaltesich zum Zittern, wie der Kreis oder die krumme Linie zumPolygon. Man kann in jedem Alter, glaube ich, witzig sei»,nur geht es nicht immer in einem so steten Strom, wie in derJugend; man zittert da. Sammelt man aber die Bemerkun-gen, und nimmt die Zwischenräume weg, so kann der Leser dieAbnahme der Kräfte nicht bemerken. Ich mag thun, was ichwill, so kann ich es nicht ohne Zwischenräume — ich zittereüberall. Zittern ist Anstrengung und Ausruhe» in schnellen Ab-wechselungen verbunden.
Vor einigen Tagen las ich, daß ein Prediger im Lüttichi-schcn, wo ich nicht irre, der 125 Jahr alt war, von seinemBischöfe gefragt worden wäre, wie er es angefangen hätte, soalt zu werden. Ich habe mich, war die Antwort, des Weins,der Weiber und des Zorns enthalten. Hier ist nun, wie michdünkt, die große Frage: wurde der Mann so alt, weil er sichjener Gifte enthielt, oder weil er ein Temperament besaß, dases ihm möglich machte, sich jener Gifte zu enthalten ? Ich glaube,es ist unmöglich, nicht für das Letzte zu stimmen. Daß sich mitjenen Giften jemand das Leben verkürzen kaun, und zwar sehrstark, ist kein Beweis, daß man sich das Leben verlängert, wennman sich ihrem Gebrauch entzieht. Wer das Temperament nichthat, würde, wenn er sich des andern Geschlechts enthielte, gc-