Druckschrift 
2 (1844)
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

weiße Wand durchschien. Hier zeigte sich eiirc unzählbare Menge ^

der seltsamsten und drolligsten Gesichter. Ich konnte in einer ^

Fläche, die kaum so groß als ein Quartblatt war, über hun-dcrt herausbringen, und jedes hatte mehr Ausdruck und Eigen- a

thümlichkeit, als sonst in den gezeichneten Gesichtern anzutreffen Ä

ist, die unverbesserlichen Kopfe von Hogarth ausgenommen, mit >w

denen sie viel Ähnliches hatten. Wenn ich einen Kopf hatte, so l»

nahm ich seinen Mund zum Auge, und den Augenblick stand Ä

ein neuer da, der mich bald anlächelte, bald anfletschte; eindritter lachte mich aus, und ein vierter blickte mich höhnisch an. l«

Es ist unmöglich, alle die hustenden, niesenden und gähnenden i»

Stellungen zu beschreiben, die sich mir vorstellten. Hätte ich sie tm

mit eben der Kraft zeichnen können, mit welcher sie sich meinem >lnzAuge und meiner Einbildungskraft darstellten, ich würde gewißdiesen Borhang verewigen. Leonardo da Vinci soll diese z,Beschäftigung jungen Malern empfehlen. «

s«

Tm Jahr 1711 ereignete sich ein großer Unfall in Lyon: ^

ein muthwilligcr Feldwebel, Namens Belair, ließ am Tage des ^

heil. Dionysius, da eine Menge Menschen über die schmale Rho- ^

nebrücke nach einem Dorfmarkt gegangen waren, den Zapfen- ^

streich zum Thorschluß eine Stunde früher als gewöhnlich schla- ^

gen. Das Thor befindet sich mitten auf der Brücke. Als dieLeute unterwegs das Trommeln hörten, eilten sie, um nicht ge-nöthigt zu werden, vor der Stadt zu schlafen; sie drängten sich ^

auf der Brücke, einige ließ der Feldwebel gegen ein Trinkgeld ,