Druckschrift 
2 (1844)
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132

Sich der »»vermutheten Vorfälle im Leben so zu seinemVortheil zu bedienen wissen, daß die Leute glauben, man habesie vorher gesehen und gewünscht, heißt oft Glück, und machtden Mann in der Welt. Ja, diese Regel bloß zu wissen undimmer im Geist zu haben, ist schon eine Stärkung. Nach Ro-chefoucaull's Urtheil, soll der Cardinal de Netz diese Eigenschaftin einem hohen Grade besessen haben.

Wer weniger hat, als er begehrt, muß wissen, daß er mehrhat, als er werth ist.

Es gibt sehr viele Menschen, die unglücklichersind, als du« gewährt zwar kein Dach, darunter zu woh-nen, allein sich bei einem Regenschauer darunter zu retiriren,ist das Sützchcn gut genug.

Man sollte sich nicht schlafen legen, ohne sagen zu können,daß man an dem Tage etwas gelernt hätte. Ich verstehe dar-unter nicht etwa ein Wort, das man vorher noch nicht gewußthat; so etwas ist nichts; will es jemand thun, ich habe nichtsdagegen; allenfalls kurz vor dem Lichtauslöschen. Nein, wasich unter dem Lernen verstehe, ist Fortrücken der Grenzen unse-rer wissenschaftlichen oder sonst nützlichen Erkenntniß; Verbesse-rung eines Irrthums, in dem wir uns lange befunden haben;Gewißheit in manchen Dingen, worüber wir lange ungewißwaren; deutlich Begriffe von dem, was uns undeutlich war;