Druckschrift 
2 (1844)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

gibt sich, wofern er nur ein Mensch ist, wie man ihn in dieHaushaltung braucht, das Übrige von selbst. Der Gedanke, daß ^

es so außerordentlich leicht ist, schlecht zu schreiben, hat mich

daher oft beschäftigt. Ich meine nicht, daß es leicht sei, etwasSchlechtes zu schreiben, das man selbst für schlecht hielt, nein!sondern, daß es so leicht ist, etwas Schlechtes zn schreiben, das ^

man für sehr schön hält. Hierin liegt das Demüthigende. Ich ^

zeichne eine gerade Linie, und die ganze Welt sagt:das isteine krumme,, ich zeichne noch eine, diese wird gewiß geradesein, denke ich; und man sagt gar:o! diese ist noch krummer.«

Was ist da zu thun? Das Beste ist, keine gerade Linie mehrgezeichnet, und dafür anderer Leute gerade Linien betrachtet, oder a»selbst nachgedacht. H

Es ist ein großer Rednerkunstgriff, die Leute zuweilen bloßzu überreden, wo man sie überzeugen könnte; sie halten sich ^

alsdann oft da für überzeugt, wo man sie bloß überreden kann. >,«

' M

Mir ist nichts abgeschmackter in unsern Schauspielen, als ,i,

die wohlgesetzten Reden, die auf den Knieen gehalten werden. ;

Man wird nach und nach auch so sehr daran gewöhnt, daß es ^

nicht viel größern Eindruck macht, Jemanden auf den Knieen ii

zu sehen, als wenn er die Arme kreuzt. Wenn mich mein eige-nes Gefühl nicht betrügt, so kniet man nicht leicht vor einemMenschen, und nicht eher als bis die Sprache zu fallen anfängt. ,

Wer mit seinem Knieen so fertig ist, und seine Bctheurungcn so ,