zu suchen, in unserm Geiste zu errichten. Da ist die heiligeStätte, wo Jesus wohnen, wo Gott herrschen will.
Das Gottesreich, dessen Bürger alle Gerechten sind undwerden sollen, besteht also in der Tugend, das heißt, in derAusübung der Jesuslehren, in der Erfüllung unserer Pflichtengegen Gott, gegen Menschen, gegen uns selbst. Es besteht nichtin frommen Fabeln, in übertriebenen Worten, sondern in derKraft, das heißt, in thätigem Bestreben nach Gottähnlichkeit.(1.Kor.4,20.) Es besteht nicht in äußerlichen Herrlichkeiten, wiewir an Königen und Fürsten dieser Welt sehen — ach, auch siesind ja nur Staub vor dem Allerhöchsten! — sondern in Gerechtig-keit und Friede und Freude in dem heiligen Geist. (Röm. 14,17.)
Oft nennt unser göttlicher Lehrer das Reich Gottes einHimmelreich. Beides ist ihm gleichbedeutend; durch beidesbezeichnet er seine erhabene Lehre und Offenbarung, die er denMenschen gebracht hat, und jenen seligen Zustand des Geistes,der eine Folge von dessen Selbstvervollkommnung und Sündeu-losigkeit ist. Er bezeichnet durch Himmelreich sein Evangelium,das heißt, die Religion, welche er den menschlichen Seelenbrachte, um sie ourch diese zu veredeln und zu heiligen. Soverglich er seine Lehre bald mit den Bemühungen eines Haus-vaters in einem Weinberge; bald sprach er: ein Reicher wirdschwerlich ins Himmelreich kommen, das heißt, alles Irdischeund Aeußerliche vergessen können, um meine Lehren der Demuthund Menschenliebe in ihrem großen Umfang auszuüben; baldverwies erlauf die Unschuld der Kinder, und sagte: Wahrlich,es sei denn, daß ihr euch umkehrct, und werdet wie die Kinder,so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen, das heiße,ganz und wahrhaft meine Bekenner und die Genossen einerhöher» Vollendung und ewigen Geistesseligkeit werden. Denndie Reinheit eines kindlichen Gemüthes ist die Grundlage zu allenTugenden, welche uns Gott ähnlich machen können.
Jesus, der König und Fürst der Geister, ihr Licht, ihrFührer, ihr Heiliger, wollte Alles auf geistige Art begriffenhaben; nicht in langen Gebeten und mit äußerlichem Gepränge,sondern im Geiste und in der Wahrheit wollte er die Verehrung