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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
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gewöhnlicher Regen ausbleibt, oder ein unerwarteter Sturrn-wind eintritt. Wir haben in unserer Weltgegend von solchembestimmten Gang der Witterung kaum eine Vorstellung.

Dieser stets gleiche Lauf derselben bleibt aber nicht immerdarjenen Himmelsstrichen eigen. Er gehörte ihnen wohl nicht vonjeher. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß es eine Zeit gab, woer in unserer Wcltgegend statt fand. Hier, wo jetzt der Winterdie Ströme in Eis verwandelt und die Regenschauer in Silber-flocken,wandelten vor Jahrlausenden einmal die Thiere, welchenur in den heißesten Landern auszudauern im Stande sind.Ueber unfern Boden schritten einst die Heerden der Elephanten,die Nashorne und andere Ungeheuer, die jetzt nur noch in denglühenden Wüsten Afrika's und andern warmen Gegenden er-blickt werden. Noch findet man das Elfenbein, noch die großenGerippe und Gebeine jener Geschöpfe zahlreich in unserm Vater»lande, ja im kältesten Norden Amerika's und Asiens.

Die Geschichte des menschlichen Geschlechts kennt die Zeitennicht, da dieser Zustand der Erde war. Er kann wieüerkommen.Aber Jahrtausende und Jahrtausende muffen verfließen, ehe dieErde bei ihren Umkreisungen der Sonne allmälig ihre eigeneRichtung gegen dieselbe so weit ändert, daß die Strahlen desgroßen Tagesgestirns senkrecht auf die Meere und Länder bren-nend niederfahren, welche jetzt unter beständigem Schnee undtiefem Eis verschüttet sind. Und doch wird sich aus der Ewigkeitauch dieser Tag wieder nähern.

Und ich, was bin ich in diesen Zeiten, in diesen großenWechseln und Umgestaltungen! Wo bleibe ich? Wo bleibt meinStaub ? Die Geschlechter der Menschen vergehen, rmd die Jahr» -Hunderte und Jahrtausende schreiten über die Asche der Menschenhin, deren Thaten und Namen verloren sind. Es kommen andereZeiten, cs kommen andere Wesen. Niemand gedenkt einst meiner;und ob ich war- weiß dann Niemand zu sagen. Die Natur gehtihren stillen, zermalmenden und befruchtenden Wundergang fort;es werden die hohen Berge in allmäliger Verwitterung ebenesLand, und die weittönenden Meere verstummen und trocknenaus; und Anderes stellt sich dar, wo es Niemand erwartete.