Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

gehoben, auf einer Seite das Wasser erhöht wird, fließt es nachder niedrigen Stelle hin und reinigt sich durch die Bewegung.Eben so ist es mit der Luft. Ihre innern Bewegungen, nämlichdie Winde, sind nur Störungen vom Gleichgewicht ihrer innernTheiie. Dieses Gleichgewicht der Luft, und daß sie nicht überallgleich schwer sei, wird am meisten gehindert durch Wärme undKälte, oder durch abwechselnde Verdünnung und Verdichtungder Luft. Jedermann weiß, daß man die Luft durch Wärmeverdünnen und leichter machen kann. Darum steigt der Rauchgen Himmel, weil er warm und folglich leichter ist, als dieübrige Luft um ihn her. Er, weil er warm ist, dehnt die mitihm verbundene Luft aus, und drängt wegen seiner Ausdehnungdie übrige von seinem Platze. So entsteht eine Lufterschütterung.So steigt im Wasser vom Boden des Gefäßes eine Luftblaseaufwärts, weil sie leichter als das Wasser ist. Je größcrn Raumrin Rauch oder Feuer einnimmt, je größer ist natürlich auch dieDadurch bewirkte Luftbewegung. Daher wird man gewöhnlichdei großen Feuersbrünsten Wind in ihrer Nachbarschaft ver-ursacht sehen.

So wie einerseits die durch Wärme verdünnte und aus-gedehnte Luft die kältere von ihrer Stelle zurückdrängt, strebtanderseits die kältere oder dichtere Luft in diejenigen Räumehinzufließen, wo durch die Verdünnung der Lust gleichsamweniger Luft vorhanden ist. So entsteht ein unsichtbaresDurcheinanderströmen. Wir bemerken dies schon in erwärmtenZimmern, wenn eine Thür gegen kalte Luft geöffnet wird, imKleinen. Es fährt oberhalb der Thür ein warmer Luftzug ausdem Zimmer, unterhalb stürzt die kältere Luft zum Zimmerherein. Die bewegliche leichte Flamme einer Kerze weht imobern Luftzug zum Zimmer hinaus, unterhalb aber in dem-selben Augenblick zum Zimmer herein.

So ist hier im Kleinen das Räthsel vom Ursprung derWinde und Stürme im Großen erklärt. Daher fühlen dieInseln und Küstenländer, deren Boden von der Sonnenhitzemehr erwärmt wird, als der Spiegel des Wassers, sich amTage meistens von Seewinden gekühlt, die nach den verdünnten