Quellen der Freuden. Diese Freuden sind freilich nicht rauschend,sondern still, aber sie durchdringen die Seele bis in ihr Innerstes.Sie bestehen riecht bloß aus dem Angenehmen, was der Reizder Neuheit und Mannigfaltigkeit gewährt; nicht bloß aus demGefühl einer anmuthigen Gegenwart, das die Jahreszeit hervor«bringt: sondern aus mancherlei schönen Erinnerungen, die ausdem Hintergründe der Vergangenheit hervorblühen, und ausmancherlei Erwartungen, die uns lächelnd aus dem dunkelnSchoos der Zukunft zuwinken.
Uebcrhaupt leitet nichts so sicher zum Genuß entzückenderEmpfindungen, zu einer stillen Wollust der Seele, als die Natur,als die sich ewig gleich und schön bleibende göttliche Schöpfung.Das Leben im Gewühl der Menschen hat zwar auch seine heiternAugenblicke, aber es ist stürmischer, schnellwechselnder, unzu«verlässiger. In der Natur lebet und webet Alles nach ewigenGesetzen, die immer weise, immer wohlthätig sind. In derganzen Menschenwelt ändern nicht nur die Menschen ihre Ge-sinnungen, sondern sogar ihre Gesetze und Ordnungen werdenallzuhäufig umgestürzt. — In der Natur ist ewige Wahrheit,Sicherheit, Treue, Einfalt. In der Menschenwelt begegnenwir nur zu oft der Untreue, der Täuschung, der Unbeständigkeitund Bosheit. — In der Natur, im Schoosc derselben, empfindenwir Ruhe des Gemüths, die nicht durch Habsucht und Ehrgeiz,nicht durch Launen und Antrieb gestört wird. Wir nehmen imGenuß der Natur die Einfalt und Erhabenheit derselben an;unser Herz fühlt sich reiner und kindlicher; wir stehen gleichsamnäher zu Gott, und ein mildes Wohlwollen gegen die Mensch-heit durchdringt unsere Seelen. — In der Menschenwelt aberdrücken Sorgen uns nieder, quält uns die Schlange der Ver-leumdung , werden wir bald vom Durst nach größerer Ehre,bald vom Begehren größer» Vermögens beunruhigt, kommenwir selten recht zu eigener ruhiger Besonnenheit, zum stillenBewußtsein unsers bessern Selbstes.
Der Weise, das heißt, der Christ, entwindet sich daher gernund oft dem drückenden Gewühl der Menschenwelt; er flüchtetsich, wie Jesus oft that, gern zu ruhigen Betrachtungen in die