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wollten einen Thurm bauen bis in die Wolken des Himmels,daß sie sich beständig zu ihrer Heimath zurückfändcn, oder sienach-langer Trennung doch wieder erkennen möchten. AberGott wollte, der ganze Erdball solle durch sie bevölkert undbewohnt werden. Das enge Beisammenlebcn der Erschaffenenmußte sie von den Zwecken der Schöpfung entfernen. Darumverwirrte der Herr ihre Sprache. Die nach langen Zeiten zurHeimath zurückkamen, verstanden das Wort ihrer Brüder nichtmehr. So wurden sie getrennt, und also zerstreute sie der Herrvon dannen in alle Länder.
Die Verschiedenheit der Sprachen ist eine weise Anordnungder göttlichen Vorsehung. So bequem es auch scheinen möchte,wenn alle Bewohner des Erdkreises durch einerlei Zunge sichsogleich gegenseitig verständigen könnten: mit so vielen Nach-teilen würde es für die Freiheit der Völker und ihrer Gcistes-thatigkeic verbunden sein. — Eigene Sprache gibt eigene Denk-art dem Volke; Verschiedenheit der Sprachen begründet dieVerschiedenheit der Nationen. Wo aber diese ist, da findet edlerWerteifer statt. Das Beispiel der Einsicht, Aufklärung unddes Wohlstandes der Einen reizt die Andern zur Nachahmung.—Die Verschiedenheit der Sprachen begründet die Verschiedenheitder Ansichten und Kenntnisse. Wie die Mannigfaltigkeit der-selben unter einzelnen Menschen zum Widerspruch, der Wider-spruch zur Kraftentwickelung, die Entwickelung der uns in-wohnenden Kraft zu dem führt, was gut und wahr und recht ist:so geschieht es auch von Nationen zu Nationen. Darum soll imWeltall kein todtes Einerlei, sondern ein immerwährendesRingen von Kraft gegen Kraft sein, daß aus der Gährung desGanzen ein immer Vollendeteres hervorgehe.
Ueberall in der Körper- wie in der Geisterwelt das gleiche,große, Alles leitende Gesetz!—Ueberall, o Ewiger, Allwciser,Dein erhabener Wink, daß Alles, was da ist, nur zur Veredlungunserer unsterblichen Seele wirke. Diese ist es, zu deren ErzieherinDu alle Naturkräfte, alle Schicksale erschufst. Damit sie sich ent-falten möge zu ihrer Herrlichkeit, gabst Du uns die Wundermachtder Sinne, den Reiz der Gefühle, die Zartheit des Geschmacks,