Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen
 

nehmen. Das Thier ist mit der Natur alles Irdischen eins;der Mensch ist mit der Natur des Irdischen durch seinen Geistentzweit. Er selbst ist eine höhere Kraft, eine selbstständige,willkürliche, über geringere Kräfte herrschende. Wo aberHerrschaft ist, da endet die Gleichheit und vollkommene Einheit.Darum ist das Thier eins mit der Natur, weil es, aus gerin-gem Kräften geformt, sich nicht zur Herrschaft erheben kann;des Menschen Geist hingegen strebt gewaltiger empor, erkenntsich selbst als edler, und unterwirft sich nur den ewigen Ord-nungen des Naturganges, weil auch sein Werkzeug, der Leib,die Frucht niederer Kräfte ist, die in das allgemeine Reich derSinnenwelt gehören. Der Geist sucht sich eine andere Welt.Er denkt Gott, Ewigkeit, Freiheit. Dahin schwingt sich dieSeele keines Thieres.

Darum ist die Sprache der Vorzug des Menschen; er theiltmit keinem andern ihm bekannten Geschöpfe das Vermögen, fickdurch willkürlich geschaffene Klänge die feinsten seiner Empfin-dungen, die erhabensten seiner Vorstellungen mitzutheilen. Erverrichtet Wunder, die er selbst nicht in ihrer Möglichkeit voll-kommen begreifen kann. So wie Gott auf wunderbare Weiseden menschlichen Geist in den Staub des Erdensterns einkleidete,so hüllt der Mensch den Gedanken, diese geistige Frucht desin ihm vorhandenen Göttlichen, in irdische Luft, und sendetihn in dieser Hülle, Wort genannt, dem horchenden Sinnedes Milbruders zu. Die Luft verrinnt am Ohr desselben, derLeichnam des Gedankens stirbt, aber das Geistige dringt über inden Geist des Mitbruders, und vermählt sich demselben. Diesheißt Sprache.

Wer erstaunt nicht über diese Mittel, durch welche Geisterim Irdischen einander sich selbst offenbarenSollen wir zwei-feln, daß Gott höhern Wesen, als uns, noch andere Mittelgegeben, sich einander zu offenbaren? Wie unendlich mannig-faltig sind die Schöpfungen und Mittel seiner irdischen Weltsoll größere Armuth in der Geisterwelt herrschen, deren König,und Vollendetstes die Gottheit selber ist? Wie das Thier tiefunter uns steht in Rücksicht der Mittel, so stehen wir tief unter