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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
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So sind durch Gottes weise Einrichtungen die unsichtbarenStröme von Düften die Straßen und Wegweiser von zahllosenseiner Geschöpfe, die ohne diese verderben würden. So ist fürdie Thiere der verfeinerte Geruchssinn, den der vollkommncreMensch nur als eins seiner niedrigen Seclenwerkzeuge kennt,ein Stellvertreter vielfacher Kenntnisse und künstlicher Mittel,die der Mensch, welcher sich der Herr der Schöpfung nennt,nur mühsam und langsam erfindet. Wie wunderbar ist die, Haushaltung der Natur, auch selbst da, wo wir sie nichtsehen? Wer in dieselbe nur mit den vollkommener« Sinnen-Werkzeugen des Wurms cindringen könnte: welche außerordent-liche Offenbarungen würde er zu machen haben! Auch wirMenschen machen, wenn wir sonst nur aufmerksam genug aufdas sind, was in uns vorgeht auch wir machen nicht seltenErfahrungen davon, wie genau der Geruchssinn mit dem Er-innerungsvermögen zusammenhängt. Ein Duft, der uns ent-gegensteigt, eine Art des Geruchs, der uns nicht gewöhnlichvorkommt, weckt oft plötzlich Erinnerungen von Vorfällen^Bilder von Gegenden und Menschen, an die wir außerdemvielleicht nie wieder gedacht haben würden. Mit dieser Reizungder Geruchsnerven erwacht wieder das Andenken von Ereignissender frühsten Kinderjahre, und das ganz Vergessene steigt, wieaus einem Grabe, lebendig hervor.

Wahrscheinlich ist es nicht bloß die wollüstige, anmmhigeEmpfindung, welche uns mit stillem Entzücken füllt, wenn wirdie süßen Düfte der Rose oder des Veilchens, der Lilie und Nelke,oder anderer aromatisch hauchender Gewächse einathmen. Es istetwas Anderes und Höhere-, das uns zu einem stillen, un-aussprechlichen Wohlgefallen stimmt. Es ist die sanfte Anregungverworrener Erinnerungen, die wir uns dabei nicht klar machenkönnen. Es ist das Zurückleben in eine Vergangenheit, dieuns beseligt, die aber von der Macht der Gegenwart zu sehrverschüttet ist, als daß wie sie hell genug erkennen sollten. Daherhat der Rausch, welchen der Duft wohlriechender Blumen,Kräuter, Oele und Gewürze in uns weckt, etwas Geistiges.Wir wähnen uns veredelter, körperloser, über Zeit und Ver-VI. li