lischt Traumbild; wenn in den goldenen Furchen des Stromesund in den Thautropfen der Halme der gebrochene Sonnenstrahlflammt, Nebelsäulen aus dem Thale wie Dankopfer vom Alkarder Erde zum Himmel steigen, und der Wurm im duftendenGrase zirpt, und die Lerche hoch zu den Wolken ihr Jubelliedträgt — ergriff dich da nicht ein fremdes Gefühl, eine heiligeWollust, wie du nie in den Lustbarkeiten der Menschen, nie imKreise ibrcr Kunstwerke empfunden?—Dies war ein Strahl desgeistigen Lebens in dein vom Irdischen befangenes Gcmüth! —Du empfandest für einen Augenblick Heller die göttliche Nähe.
Oder wenn du einsam in wolkenloser Winternacht den Blickneugierig über die schlafende Welt hinauswarfst, und sahst dieathemlose Natur unter dem Leichentuch von Schnee, und Städteund Dörfer wie ausgestorben, — und der Menschen gedachtest,wie sie still schlummerten ohnweit der Gräber der früher Ent-schlafenen; — wenn dein Blick sich schaudernd von dem Bildesolcher entseelten Welt wegwandte zum Himmel, und du drobenin den flammenden Kränzen und Reihen der Gestirne ein neues,stilles, wunderbar heiliges Leben erblicktest; wenn dir aus un-ermeßlichen Fernen des Weltalls die Miriaden Sonnen, jetztnur zitternden Funken gleich, ihr freundliches Licht entgegen-gossen; wenn dich das Gefühl deiner Nichtigkeit und der Größeund Herrlichkeit des Weltgebäudes gewaltig erschütterte, unddu unter diesen majestätischen Umgebungen versinkend nach demEinzigen griffst, der da ist der Ewige und un veränder-lich-Große: — damals, o Sterblicher, durchdrang dichgöttliche Nähe und lebtest du einen Augenblick geistigenLebens.
Von allen Einrichtungen der göttlichen Schöpfung aber ruftkeine so oft und so inachtvoll die Erinnerungen an den All-gewaltigen in das menschliche Gemüth, als das Ungewitter.Aber wie verschieden wird diese große wohlthätige Erscheinungvon den Mensche;, ausgenommen, empfunden und beurtheilt!Wie ganz verschiedene Wirkungen bringt sie in den Herzen ber-vor! — Der geistige Mensch sicht Gott, der sinnliche Menschnur sich und seine kleine Habe in dem prachtvollen, scheinbaren