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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
244
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Kinder, die in Einsamkeiten, fern von Menschen, aufwuchsen ,hatten keine menschliche Sprache, sondern sie ahmten mit ihrerStimme nur die Stimme der Thiere nach, denen sie nahe ge-wesen waren. So weiß man von einem ehemals in Deutschlandgefundenen wilden Kinde, daß es gleich den Schafen blockte;und von einem in den Wäldern Polens unter den Bären ge-fundenen, daß es diesen gleich brummte. Man hatte vor Zeitenviel über eine vermeinte Sprache der Thiere gestritten, indemman sich einbildete, daß sich dieselben mit ihren verschiedenenStimmcnbewegungen oder Gesängen eben so über allerlei Gegen-stände unterhalten könnten, wie Menschen. Allein man vergaß,daß das Thier ohne vernünftigen Geist auch keine Fähigkeitenzur Wörterbildung hat; daß es zwar Gefühle der Freude undTraurigkeit, der Furcht und Hoffnung, des Schreckens und derRuhe, der Liebe und des Zorns, oder daß es die Triebe desHungers und DursteS, des Abscheu's und der Begattung aus-drücken könne, aber keine dem Geist entstammenden Gedanken.Triebe, zu deren Stillung mehrere Thiere gleicher Gattungnöthig sind, entwickeln auch die Stimme und deren Manniz-faltigkeit am vorzüglichsten. Dies ist nochwendig, daß sie sichin den weiten Räumen, wo sie einzeln und zerstreut herum-schwärmen , zusammenfinden können. Also ordnete es die Weis-heit des Schöpfers zur Erhaltung der verschiedenen Thierartenan. Daher beginnt vorzüglich der Gesang der Vögel zur Brut-zeit im Frühling, wenn die Baumknospen ihre Blätter ent-falten , und alle Keime des Lebens sich gegen das Licht hcrvor-drängen. Das Gleiche wird bei den vierfüßigen Thieren bemerkt.Sind diese Tage aber vorüber, so verschwindet allmälig dieMannigfaltigkeit und Lebhaftigkeit der Töne. Viele verstummenfast ganz, und selbst die Nachtigall vergißt ihren bezauberndenGesang und läßt nur v-on Zeit zu Zeit einen häßlichen Laut hören,der mit dem dumpfen Gekrächze einer Kröte Aehnlichkeit hat.

Der Mensch, welcher, insofern er Thier ist, ebenfalls dieLeidenschaften der Liebe, des Zorns, der Sehnsucht, der Rache,dcr Furcht hat, drückt diese ihn beherrschenden Gefühle, gleichTent Thiere, noch mehr durch den Klang und die Abwechselung