hüllenden Schleier! Laue Lüfte bewegen sich um mich, undMillionen blühende Zweige und Blumen über strömen mich miteinem Regen balsamischer Düste. — Und dies Alles wird erstdurch das große Getön des Lebens, welches um mich herrauscht,feierlicher, anziehender, bedeutsamer.
Wenn ich durch die reizendsten Felder und Wiesen irre,die von den Händen des Frühlings und Sommers mit ihremganzen Blumenschmuck überschüttet sind, und es rührt meinOhr kein Rauschen des Gebüsches, kein- fröhliches Blöcken derHeerden, kein Zwitschern, kein Gesang eines Vogels — wennAlles schweigt: so macht die ganze Pracht der Erde nur einentraurigen Eindruck auf mich. Die Natur scheint, so sehr sie auchin lachenden Farben prange, ausgestorben. Es spricht mich nichtsan. Ich stehe in einer glanzenden Einöde, werde traurig undsehne mich nach dem Laut der Lebendigen.
Das Auge gibt dem menschlichen Gemüth weniger Nahrung,als das Gehör; erst-Lurch dieses werden wir mitfühlende Wesenaller mit Empfindung begabten Geschöpfe. Erst das Erbrausendes hohen Waldes iin Luststrom, Las freundliche Murmeln derQuellen und Wasserbäche, das Getöse des Flusses an seinenUfern, das Sumsen der Bienen und Käfer, die mannigfaltigenTöne vierfüßiger Thiere, das Gezirpe der Vögel beseelt dieangenehmste Landschaft. Wie uns das Schweigen des Todesschaudern macht, so erfreut hingegen die Stimme der Naturdas menschliche Herz. Sie erweckt uns zu großen Gedankenund Gefühlen, und beschäftigt uns mit der Vorstellung von derallgemeinen Verbindung der erschaffenen Wesen. Alles wirdzum Psalm der Welt auf Gott.
Wer hat diesen Psalm von tausend und tausend abwechseln-den Tönen, wiederholt vom Wiederhall der Wälder und Felsen,nicht schon gehört? Wen ließ er ungerührt, der irgend für zartereEmpfindungen noch ein empfängliches Herz in der Brust trug?Wer hätte nicht oft selig in Las große Freudrngetümmcl derSchöpfung hineinjauchzen mögen und rufen mit dem königlichenDichter: Lobet den Herrn auf Erden, ihr Walisische in denTiefen! Feuer, Hagel, Schnee und Dampf und Sturmwinde,