Druckschrift 
6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
Seite
177
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Denn auch Gottes Liebe macht keinen Unterschied zwischen denMenschen; er läßt seine Sonne aufgehen über Gute und Böse,und Regen und Thau des Himmels sinken befruchtend niederauf den Acker des Gerechten und Ungerechten.

Mit neuem Glauben will ich an Gottes endloser Liebeund an seiner Vorsehung hangen, die sich mir mit jedem Früh-,ling gleichsam verklärter und herrlicher, denn jemals, offen-baren. Er ist der Ewigtreue, der Ewiggütige; nach seinen Ge-setzen bewegt sich Alles, und die Schicksale der Menschen sindvon ihm geordnet. Mit neuem Glauben will ich seinen weisenFührungen folgen; denn er, der Alles so wunderherrlich undzweckvoll schuf und einrichtete, er wird es auch mit mir wohlmachen.

Warum soll ich mich mit bangen Sorgen der Nahrungquälen? Wie einfach leben die Geschöpfe meistens, die erschuf! Und doch sind sie glücklich. So will ich mich denn auch ein-schränken, einfach leben, und Gott wird meine Arbeiten segnen;wie kann cs dann mir oder den Mcinigen fehlen? Die Vögelunter dem Himmel, sie säen nicht, sic ärntcn nicht, und derhimmlische Vater nährt sie doch! Er, der die Lilien auf dem Feldeherrlicher kleidet, als Salomo war in seiner Pracht, er wird auchmich, er wird auch die Meinigen nicht vergessen, noch verlassen.

Und wenn dann auch Augenblicke des Kummers eintreten,wenn ich dann auch wohl in bange Verlegenheiten komme: wiewunderbar fügte es sich oft, daß ich wieder durch seinen Bei-stand, durch seine Leitung meines Schicksals beruhigt und erfreutwerden mußte! Wie oft habe ich nicht schon die Wahrheitdes Sprüchleins an mir selbst erfahren: Ist die Noth am größten,dann ist Gott am nächsten!

Mit neuer Hoffnung soll mich der Reiz der schönenFrühlinzswclt beseelen. Wer Gott nur nicht verlor, der hatnoch nichts verloren. Ja, mein Herz hoffet auf ihn, den Ewig-Allmächtigen, den Ewig-Liebenden, der auch jetzt wieder dieerstorbene Natur in wundervolles Leben zurückgerufen hat.

Der Frühling ist für den fleißigen Landmann die Zeit neuerHoffnungen, und gewiß auch für das christliche Gmrüth. An