Warum weinest du über den Tobten? — Tritt hinaus inDie lächelnde Schöpfung der Frühlingswclt — ste predigt direinen Trost ins wunde Herz, den du nirgends findest, als bei ihr.Sie spricht: Ich bleibe nicht ewig todt; als mich das Leichen,tuch des Winters deckte, da schlummerte ich nur. Gott ist dasewige Leben, und was in ihm ist, bleibt ewiglich. — Warumweinest du über die Todten? Alles in der Natur ist Leben, undkein Tod ist in ihr. Wohl wechselt darin Alles die Hüllen undLas Kleid, aber Nichts vergeht. Wohl warf das Gesträucheinst Blumen und Laub ab, aber die geheime Kraft des Lebensblieb, und schmückt sich wieder mit leuchtendem Grün und weit,Duftenden Rosen. Verbrenne den Strauch — du hast nur dieHülle verbrannt, die Lebenskraft ist unzerstört, und verjüngtsich an einem andern Orte in jünger» Keimen. — Der Liebling,rrm welchen du trauerst, warf nur die Hülle ab, wechselte nurDas Kleid. Du wirst thun, wie er, und ihm schön verwandeltwieder begegnen. — In Gott ist Alles Eins, Alles nur Kraft,Alles unverlierbar.
Wer spricht voll dumpfen Mißmuths: die Welt sei ein'Iammerthal, ein Leidensort, ein Haus der Thränen? TrittHinaus in das freudige Reich des Frühlings, wo dir GottesLiebe, Gottes Güte, Gottes Ruf zur Freude von allen Hügelnrmd Thälern, von allen Fluren, allen Hainen entgegendringt.And während Millionen beglückter Geschöpfe in zahllose«Sprachen und Tönen jauchzen: O wie schön ist GottesWelt! magst du da länger trauern, und Gottes WeisheitVerkennen und verachten? Ist dein Uebel, unter welchem duleidest, nicht vielleicht am Ende die Frucht eigener ThorheitenLind Unvorsichtigkeiten? Warum verurtheilst du die göttlicheSchöpfung? — Ist dein Leiden vielleicht die Wirkung einerKrankheit, die unverschuldet ward, oder eines Uebels, welchesDu nicht abwehren konntest: fasse Muth, auch dieser Schmerzist zu der großen Summe göttlicher Wohlthaten gerechnet, undist Arznei für dein Gemüth. Nur durch ungeduldigen TrübsinnVermehrst du deine Noch, und legst zu dem ersten einfachenHebel ein zweites hinzu durch eigene Schuld.