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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
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lichen nicht innerhalb der todten Mauern der Schulen undKirchen geben kann. Nur hier erweitert sich meine Brust zumEntzücken; mein Gemüth sehnt sich nach Anbetung; nur hierfühle ich lebhaft, wie arm meine Sprache ist, um die Gedanken,die Gefühle auszudrücken, welche mich überwältigen.

Wahrlich, cs ist nicht gleichgültig, an welchem Ort mansich befindet, wenn man mit edler Bewegung des Gemüths anGott denken will. Alles, was uns umgibt, spiegelt sich in unsrerSeele ab, und hat einen Einfluß auf unsere Vorstellungsart.Willst du dir nur von der Macht und Größe eines Königs einenlebhaften Begriff machen: sie werden dir ganz anders erscheinen,wenn du derselben in einer elenden Hütte gedenkst; und anders,wenn du Augenzeuge vom Reichthum seiner Paläste und dergebietenden Gewalt seiner Worte bist. So stellst du dir auch dieMajestät Gottes anders vor in der Nacht, anders am HellenTage, anders in deiner engen Kammer, anders im freien Feldeunter offenem Himmel. Aber standest du jemals einsam auf derSpitze eines Berges, von wo herab du die unten liegende Land-schaft wie ein stilles Bild ausgebreitet erblicktest; wo dir dieMenschen, gleich Würmern, klein und unbedeutend verkamen;wo ihre Wohnungen Maulwurfshügeln glichen; wo weite Stilleum dich her wohnte, und du allein standest mit der feierlichenNatur und mit dem Gedanken an Gott, und dein Geist, reinvon Leidenschaften und Kümmernissen des alltäglichen Lebens,sich selbst gehörte? Wie ganz anders hast du damals deinesSchöpfers gedacht; wie mit ganz anderer Ehrfurcht hast du dazu ihm gebetet, als sonst zwischen den engen Wänden deinerWohnung, wo dich so vielerlei kleinliche Dinge an irdische Be-dürfnisse, Wünsche und Hoffnungen mahnten!

Daher sehne ich mich gern Zur Einsamkeit im Schoose derNatur; da empfinde ich ruhiger; da urtheilc ich milder über dieMenschen und ihre Angelegenheiten; da bete ich mit einer feier-lichem Andacht zum Schöpfer. In meiner Hütte, im Gewühledes gemeinen Lebens, zwischen den Wohnungen der Sterblichen,sehe ich nur Menschenwerk; aber draußen erblicke ich, umrauschtund umduftet von der Pflanzenwelt, Gotteswerke. Je länger