unv zur rechten Stunde, aus der Milch des Kernes hervor,und senkt seine Spitze in den Erdboden, um Nahrung zu finden.Er treibt aus dieser Spitze kleine Fasern hervor, die zu Wurzelnwerden. Woher weiß der Keim, daß er Nahrung im Bodenfindet? Woher weiß er, wo der Erdboden sei, den er doch nichtsieht? Und doch, wenn die Spitze des Keims, die zur Wurzelbestimmt ist, aufwärts über der Erde steht, krümmt sie sich solange abwärts, bis sic Erde gefunden, während die andereKeimspitze, die zu Stengel und Blättern werden soll, sich jedes-mal von der Erde wegwendet und himmelwärts steigt, um Luftund Licht zu suchen. — Ist hier nicht Seele? Ist hier nicht eineverborgene, wunderbare Kraft, die eben so unerklärlich ist, alsdiejenige, welche die Sternenwelt schwebend durch luftleereRäume in ewig gleichen Bahnen führt? Acndert immerhin dieLage des keimenden Samens, so oft ihr wollet, daß die Spitze,welche die Erde sucht, Luft, oder die, welche Luft sucht, Erdefinde: er wird sich nicht täuschen lassen; er wird nicht müdewerden, eben so oft seine Keimspitze in ihrer Wendung zu ändern.
So führt mich schon der Keim des unbedeutendsten Krautesund Grases an die Grenzen meiner Crkenntniß. Es ist für deneinsichtvollsten Sterblichen ein unauflösliches Räthsel, was dasist, das in diesem Keim denselben lenkt. Es läßt sich das un-bekannte Etwas nicht begreifen, welches die wunderbare Eigen-schaft hat, unter der Erde seine Arme auözustrecken, als Wurzeln,um Nahrung zu suchen. Und selbst diese Wurzeln, wie unendlichanders sind sie bei allen verschiedenen Pflanzen gebaut! Hier,sind neue Näthsel zu lösen! Einige bohren mit festem Pfahlin gerader Richtung abwärts, um dem künftigen hohen undbuschreichen Stamm des Baumes eine sichere Haltung gegendie Gewalt der Stürme zu verschaffen. Andere breiten sich nurin vielen Vcrästungen unter der Oberfläche des Bodens aus,ft' daß sie auf nicht gar tiefem Grund stehen können. Einigesind hohl, röhrenartig; andere schuppig, haarig; einige findholzig, andere fleischig, um Menschen nnd Thieren zur Nahrungzu dienen, als Rüben oder Zwiebeln, als Kartoffeln u. s. w.Wer aber konnte die Mannigfaltigkeiten alle zählen, die in der