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tungen. Was ist es, das ich bewohne unter dem nie endendenAll der Schöpfungsgröße? Was bin ich, neben dem die ganzeHerrlichkeit des Alls nur elender Staub, nur Schatten ist? Werist wie der Herr, unser Gott? O welcher schrankenloser Reich-thum von Wundern will sich vor den Augen meines in Anbetungvergehenden Geistes entfalten!
Und doch noch nicht das Wunderbarste! Seit Jahrtausendenund Jahrtausenden währt der Kreislaufdes strömenden Lebens—aber ewig einerlei, wie des Schöpfers unzerstörbares Gesetz,bleibt das Erschaffene mitten im scheinbaren Wechsel der Dinge.Seht die Pflanzen, sie waren nicht vollkommener, nicht unvoll-kommener in den Tagen der ersten Sterblichen, wie heute. DerApfel röthete sich im Paradiese; der Mandelzweig blühte inAarons Tagen; die Rose und Lilie schmückten SalomonsGärten. — Jahrtausende verflossen, sie blieben die gleichen; siewerden nach Jahrtausenden noch die gleichen sein. Eben sonach so vielen Weltaltern sind weder die Vögel der Luft» nochdie Fische des Wassers, noch die Landthiere und Gewürme desStaubes anders oder vollkommener geworden, als es die erstenwaren, welche der Schöpfer ins Dasein rief. Selbst des Men-schen Leib und seine irdischen Eigenschaften sind nicht vollkom-mener geworden, sondern dieselben geblieben. --
Doch in diesem ewigen, uralten Einerlei ragt nur Einsempor, das sich langsam veredelt hat, und an Erkenntnißwächst, und nicht das Gleiche bleibt — es ist der menschlicheGeist! Für ihn sind die Weltaltcr der Vergangenheit unverloren;er bewahrt sie in seinem Gedächtnisse, und saugt, wie die Bieneaus Blumen, seine Nahrung aus den Geschichten und Gedankenaller Jahrhunderte. — Zwar sind große und weise Völker derVorzeit untcrgegangen, und der Halbwilde wandelt heute überderen Grabmälern; aber von den Schätzen, welche sie hintcr-ließen, ging nichts verloren. Die Menschheit war deren Erbin,nicht der rohe Eroberer des Bodens. Ein Jahrtausend erbteErfahrung und Kenntniß des verflossenen, und in ihnen^veredclteund erhob sich der menschliche Geist. Menschen starben, aberihr besserer Gedanke ging lebendig zu den Enkeln. Völker ver-