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6 (1837) Gott in der Natur
Entstehung
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äußere Form oder Wirkung darstellen sollten. Daher sind alleSprachen der ältesten Völker bildnerisch und malend, je wort-ärmer sie sind. So bezeichnet bei den Hebräern alles Große,Hohe, Wunderbare und Erhabene der Name Gottes, denn Gottist das Geheimnißvollste, das Unendlichste, das Gewaltigste,das Höchste im Weltall. Darum hießen sie eine große Zeder,einen hohen Berg, oder die furchtbare Wirkung einer ihnen un-bekannten Ursache, die Zeder, den Berg, die Macht Gottes.Den Bilderreichthum der Sprachen bei den ältesten Völkern ver-mehrte aber auch die Lebendigkeit ihrer Einbildungskraft. Dennso wie dieses schöne Vermögen des menschlichen Gemüthes nächstdem Gedächtniß immer das erste zu sein pflegt, was sich in seinergroßen Kraft bei Kindern entwickelt, so ist es auch bei jugend-lichen Völkern. Der Verstand reift erst nach Beobachtung viel-facher Erfahrungen; mit dem Wachsthum der Erkenntnisseverlieren sich alsdann die Täuschungen.

Der menschliche Geist, immerdar thätig, wartet aber daslangsame Einsammeln der theilweisen Erfahrungen nicht ab. Erdenkt über Alles und dessen Ursachen nach. Was ihm Unkundeder Sachen verschweigt, ergänzt er durch die Einbildungskraft.Daher kommt cs, daß sich Kinder, denen man noch nie vonabergläubischen Schreckbildern erzählte, wenn sie im DunkelnFurcht empfinden, zu dem, was sie schreckt, eine grausenhafteUrsache erfinden; daß sie mit leblosen Dingen Gespräche führen,und sie lieben oder ihnen zürnen, als wenn dieselben Verstandund Gefühle besäßen. Sie beseelen in ihrer EinbildungskraftAlles, was sie umgibt.

Eben so geschah von jenen Völkern der Vorwelt in denZeiten ihrer Jugendlichkeit. Sie bezeichncten Alles bildlich,und entliehen voin Irdischen den Namen für das Unsichtbare.Die Allwissenheit des höchsten Wesens nannten sie das Auge,seine Allmacht den Arm Gottes. Ja, indem sie sich das aller-vollkommenste der Wesen immer unter dem Bilde einer mensch-lichen Gestalt vorstelltcn, legten sie ihm sogar diejenigen Un-vollkommenheiten bei, die sie an sich selbst nicht immer lobenkonnten: Zorn, Rache, Eifersucht, Haß, Unbarmherzigkeit.