116
13 .
Die Sprache der Menschen.
t. Mos. tl, 6-8.
Du verliehst die Kraft, zu sprechen,
Wünsche, Sorgen und GebrechenMeinen Brüdern zu gesteh'n.
Und mit leuchtenden GedankenAus des innern Lebens Schranke»
In das All hervorzugeh'n.
Was ich fühle, weiß und wähle,
, Allen Reichthum meiner Seele,
Kann ich um mich her verstreu'»;
Zch kann warnen, kann belehren,
Kann des Lebens Glück vermehren.
Kann durch Rath und Trost erfreu'n.
Wohl mir. Du hast nicht nur Leben,
Auch die Sprache mir gegeben,
Und in ihr verehr' ich Dich!
Jst'S auch nur ein schwaches Lallen,
Hörst Du doch mit WohlgefallenDeiner Kinder Fleh'n — auch mich l
bwar allen Sterblichen ist das wunderbare Vermögen durchdes Schöpfers Weisheit und Huld geworden, das Geistige zuverkörpern, den Gedanken gleichsam in einen tönenden Hauchzu kleiden, um ihn andern verwandten Wesen mitzutheilen:allein unter den vielen Millionen, welche sich dieses Geschenkesder Gottheit freuen, sind wohl nur Wenige, die über dasAußerordentliche desselben und seinen Werth jemals nachgedachthaben. Die Sprache, dieses ausschließliche Eigenthum ver-nünftiger Wesen, — diese Erstlingskunst des Unsterblichen,Uebersinnlichen, Höchsten in uns, wodurch er das Irdische zumMittel seiner Absichten macht, — dieser Gruß der Geister anGeister, in welchem sie die Gleichheit ihrer Naturen und Be-stimmung gegenseitig einander beurkunden, ist wohl der Be-trachtung und Bewunderung der Weisen würdig, wie Alles,was von Gottes Huld zeuget.