Zweige der Bäume und Gesträuche, welche bei Tage gesundeDüfte ausgießen und die Luft von schädlichen Dünsten säubern,hauchen jetzt, von der Sonne verlassen, unreine Lust aus.
Die Thiere verlieren ihre Munterkeit, und verbergen sich inihre Höhlen, Nester und Lagerstätten. Das Blut der gesündestenMenschen wird wallender: ihre Nerven werden reizbarer, wiezum Fieber. Der Zustand der Kranken wird schlimmer undunruhiger, Mattigkeit und Gefühllosigkeit nehmen überhand.
Die Nachtwachen, oft wiederholt, sei es aus übermäßigemTriebe zur Arbeit, sei es aus unordentlicher Begierde zu Lust-barkeiten, sind wahrhafte Lebensverkürzungen. Der Geist desMenschen wird stumpfer, indem sein Werkzeug, der Leib, un-tauglich gemacht, und in seinen natürlichen Verrichtungen ge-hindert wird. Die frische Farbe der Gesundheit entflieht vonden Wangen, und die Blässe des Gesichts, der trübe Blick desAuges, verkünden deutlich genug, wer wider die OrdnungenGottes in der Natur sündigte. Sündigte! Ja, die Zerstörungunsers Leibes, den Gott uns zu edelm Gebrauch verlieh, dieVerkürzung unsers Lebens durch Ertödtung des Schlafs in den.zur Erholung unserer Kräfte geweihten Ruhestunden, ist Sündegegen Gottes Anordnungen. Aber so thöricht ist der Mensch, daßer für eine Handvoll Stunden, in nächtlichen Schwärmereienund Lustbarkeiten verschwelgt, mehrere Jahre zu wenig leben,und um des Vergnügens willen, viele Nächte in Tag verkehrtzu haben, früher oder später einen siechen Leib durch die Weltschleppen mag.
Der Christ ehrt die Wohlthaten Gottes, und Wohlthatist uns jede Anordnung in der Natur. Willkommen ist ihmnach vollbrachtem nützlichem Tagewerk ruhende Erquickung imSchlummer der Nacht. Er ist schonend in seinem Urthei! gegendie Verirrungen der Menschen, welche ohne Noch, aus Eitel-keit oder Sonderbarkeit, ihren rauschenden Vergnügungen ganzeNächte aufopfern. Aber höhere Achtung hat er noch für dieGesundheit, für das Kleinod des Lebens, ohne welches er zuallem Guten und Nützlichen unfähig wird. Sind wir demSchöpfer Rechenschaft schuldig über die Verwaltung und An-