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6 (1837) Gott in der Natur
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Warum thust du von Allem, was du möchtest, das Gegencheil,als wärest du von deinen besten Wünschen der ärgste Feind?

Solche Ueberlcgungen in der einsamen Abendstille sind cs,die uns in das Gcheimniß unsers Herzens den Blick öffnen.Solche Ueberlegungcn sind es, die uns das ganze schwarzeGewühl unserer Fehler sehen lassen, gegen die wir aus Leicht-sinn oder Eigenliebe sonst gern blind zu bleiben pflegen. SolcheUeberlegungcn sind es, die uns gewahr werden lassen, warumoft unsere Entwürfe scheitern müssen; warum uns manche Per-sonen öffentlich und im Geheimen entgegenarbeiten, die wir dochnie beleidigt zu haben glaubten, oder die uns höchstens nuraus den Berichten Anderer kennen; warum wir in unser» An-gelegenheiten nicht vorwärts schreiten, sondern einen Verdrußnach dem andern erfahren. Wir lernen auf solche Art allein,und auf keine andere Weise, begreifen: daß wir überall mit zugroßer Unklugheit handelten, weil wir nicht tugendhaft und edelgenug handeln wollten; daß Weisheit und Tugend die höchsteStufe der wahren Lebensweisheit sind; daß wir erst glücklicherin der Welt werden, wenn wir besonnener und tugendhafterin ihr handeln.

So schmerzlich dergleichen Entdeckungen Manchem seinmögen, so angenehm sind dieselben dem Christen, dem Weisen.Er ertappt gleichsam seine Fehler auf der That; er findet siewährend der prüfenden Selbstbeschauung, da sie im gewühl-vollen Leben des Tages, und in den Zerstreuungen, die ihnumringten, seinem Blicke immer zu entrinnen wußten. Er wirdihrer Meister, weil er es unwürdig hält, sich von Schwachheitenbeherrschen zu lassen, die er an Andern so gut wie an sich ver-achtet. Er faßt den großen Entschluß, zur Demüthignng dieserFehler, am folgenden Tage, wo der Anlaß erscheint, das Gcgen-thcil von dem zu thun, was seine unreinen Neigungen bisherihn zu thun verführt hatten. Er erkennt den Feind und seineMacht, und er schwört es in Gottes Angesicht, daß er ihn über-winden wolle. Den höchsten Reiz aber empfängt die Beschauungunsers Lebens und der Blick auf den vergangenen Tag, wenndas Gemüth durch das lohnende Bcwußsse n verklärt wird: ichVI. 3