42
5.
Der Abend.
Ev. Luk. 21, 29.
Halt« dich nicht länger, fließe,
Stille Zähre meines Danks.
Meine volle Seel' ergießeSich in Strömen des Gesangs.
Gott, wie viele frohe TageFlossen, weil mir nichts gebrach,
Ohne Unruh', ohne Klage,
Wie ein sanfter, stiller Bach!
Hatt' auch Einer Müh' und Sorgen —Sie entfloh»: die Sonne sahWiederum am andern MorgenMir ganz neue Freuden nah.
Hab' ich nicht aus Deiner FülleWas mein Herz nur wünschen mag.Speis' und Trank und Dach und Hülle,Schutz und Hilfe jeden Tag?
Jmnzer kam und kommt Dein SegenUnerwartet mir entgegen.
Und wo mir ein vcbel droht,
Rettung oder Trost in Noth.
Erholung, da der Mensch am Tagesziele steht — auch du bistder Betrachtung des Christen würdig! Wie viel Freuden hast dumir nicht schon gegeben, und mit wie viel schönen Empfindungenmein Herz erfüllt! — Wenn ich am Morgen unruhig den Blickauf das Tagewerk hinwarf, das vor mir zu thun lag; oder ichmanchen Augenblick zu fürchten hatte, der mir nun entscheidenderscheinen sollte; oder ich mich auf einen angenehmen Genußdes Tages freute — am Abend war das Alles vorüber, wennich denr stillen Lager der Nacht zueilte. Und Manches, das ichgefürchtet hatte, cs war dann am Abend ganz anders, als iches vorher erwartet hatte. Nur Erinnerungen und Bilder desVergangenen umschwebten mich noch, die endlich in den Träumendes Schlafes sich verloren.
unter den Tageszeiten, stiller Abend, Stunde der