von dem ihr eine Zeit lang Nutznießer seid. Er ist das euchvom Himmel anvertraute Pfund, mit welchem ihr wuch.'rn,mit welchem ihr euch Freuden auf Erden, Schätze im Himmelgewinnen sollet. Er ist nicht euer Eigenthum, sondern GottesEigcnthum, der ihn euch verliehen, daß ihr die würdigenVerthciler und Anwender desselben sein sollet. So wendet ihngöttlich an. So speiset den Hungrigen, tränket den Durstigen,kleidet den Nackten, sorget für den Kranken. Was ihr einem derGeringsten eurer Mitmenschen thut, das habt ihr Jesu gethan,das habt ihr Gott gethan! (Matth. 25, 45.)
Mahnt uns der Mittag mit lauter Stimme an die Wohl-thaten Gottes,' so mahnt er uns auch eben so leicht an unsereDankbarkeit für dieselben. Dankbarkeit aber äußert sich nichtbloß in leeren Worten, sondern in Thaten. Es ist nicht genug«an einem Dankgebet bei Tische, sondern unser Thun und Lassenwährend des ganzen Tages soll die Empfindungen unsererErkenntlichkeit gegen den Geber so vieler guten Gaben aus-sprechen.
In vielen christlichen Haushaltungen ist es noch eine wohkrHergebrachte, ehrwürdige Sitte, daß man sich nie zum Genüsseder Gottesgabe niederfttzt, ohne ein Dankgcbet gesprochen zuHaben, sei es leise im Herzen, oder laut, indem Einer sür Allebetet. Diese Sitte ist in manchen andern Haushaltungen, woman von falscher Scham geblendet ist, und erröthet, GottesWohlthat öffentlich anzuerkennen, gänzlich unterlassen. Mansetzt sich zum Tische, ohne des Allsegnenden zu gedenken, wiedas vernunftlose Thier, welches im Walde seine Nahrung findet,und die hingestreuten Samenkörner verzehrt, ohne auch nur zuden Zweigen des Baumes hinaufzublicken, der sie niederstreutc.
Es ist wahr, daß bei einer täglich und zu derselben StundeHergesprochenen Gebetsformel, die sich dem Gedächtnis cinverlcibt,bis man sie hersagt, ohne weiter beim Schall dieser Worte etwaszu denken — es ist wahr, sage ich, daß bei solchen gewöhnlichenTischgebeten oft wenig Andacht statt finden mag. Und ebendieses kann bei vielen guten Christen Anlaß geworden sein, sieganz abzvschaffen. Allein damit ist auch zu^cich das wenige